Presse & Kommunikation

20. Mai 1998   147/98

Karl Jaspers Förderpreis für Frankfurter Philosophen Lutz Wingert

Oldenburg. Der Frankfurter Philosoph Dr. Lutz Wingert ist der diesjährige Träger des mit 10.000 Mark dotierten Karl-Jaspers-Förderpreises der Stiftung Niedersachsen. Am 3. Juni wird Präsident Prof. Dr. Michael Daxner dem 40jährigen den Preis im Rahmen einer großen Vorlesung mit Jürgen Habermas (Starnberg) im neuen Hörsaalzentrum der Universität Oldenburg übergeben, die von den Karl-Jaspers-Vorlesungen zur Fragen der Zeit an der Universität Oldenburg veranstaltet wird.

Wingert studierte von 1979 bis 1986 Philosophie, Geschichte und Soziologie an den Universitäten Bielefeld, Bochum und Paris. Er war sowohl Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes (1979-86) als auch des Leibniz-Forschungsprogramms der DFG (1986-90). Seine Dissertation, die unter dem Titel „Moral und Gemeinsinn" bei Suhrkamp erschien, schrieb er 1991 bei Jürgen Habermas. 1996 erhielt er für sein Vorlesungskonzept „Unsere Welt: Gegeben oder gemacht? - Menschliches Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion" die Stiftungsprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft" der Deutschen Bank und brachte so die z.Z. namhaftesten amerikanischen Philosophen - u.a. Hacking, Nagel, Putnam - nach Frankfurt. Im Wintersemester 1998/99 ist er selbst Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin. In dieser Zeit wird er auch eine Lehrveranstaltung in Oldenburg anbieten, die mit dem Preis verbunden ist. Ihr Thema: „Fakten oder Konstrukte? Zum Realismusstreit in der Gegenwartsphilosophie."

In den letzten Jahren lenkte Wingert sein Interesse zunehmend von ethischen auf erkenntnistheoretische Fragestellungen. Seine an die intensiv geführte Realismus-Antirealismus-Debatte anknüpfende Habilitation übergreift die philosophischen Teildisziplinen Ethik, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, politische Philosophie und Theorie der Subjektivität in einem historischen Spannungsbogen vom Deutschen Idealismus bis hin zu Wittgenstein. Wingert geht es um „fruchtbare Konfrontationen" verschiedener philosophischer Denktraditionen, um damit zur Rechtfertigung sowohl normativer wie auch empirischer Überzeugungen beitragen zu können.

Der Karl-Jaspers-Förderpreis der Stiftung Niedersachsen war im vergangenen Jahr im Rahmen des Festvortrages von Willard V. O. Quine (Harvard University) erstmals an die Heidelberger Physikerin und Philosophin Brigitte Falkenburg, die inzwischen eine Professur an der Universität Dortmund innehat, und den Düsseldorfer Sprachwissenschaftler und Philosophen Ralf Naumann vergeben worden.

Kontakt: Dr. Reinhard Schulz, Telefon: Tel.: 0441/798-4402, Fax: 0441/798-3722
Die Veranstaltung mit der Vorlesung von Jürgen Habermas und der Preisverleihung an Lutz Wingert findet am 3. Juni um 16.00 Uhr im neuen Hörsaalzentrum statt