Presse & Kommunikation

04. November 2014   425/14  

Erwin Piscator und der Erste Weltkrieg - Präsentation des Jahrbuchs der Karl-Jaspers-Gesellschaft

Oldenburg. Der erste Band des Jahrbuchs der Karl-Jaspers-Gesellschaft wird am Montag, 10. November, 19.00 Uhr, im Karl-Jaspers-Haus (Unter den Eichen 22) in Oldenburg präsentiert. Das Buch mit dem Titel „Offene Horizonte“ ist kürzlich im Wallstein Verlag erschienen. Michael Lahr, Programmdirektor der transatlantischen Kulturaustauschorganisation Elysium – Between Two Continents (New York / München) hält dann den Vortrag „Erwin Piscator und der Erste Weltkrieg – Eine Skizze zur Geburt eines Politischen Theaters“, der auch als Essay in dem Jahrbuch veröffentlich wurde. Lahr analysierte dafür zahlreiche Tagebucheinträge Piscators aus den Kriegsjahren. Einige dieser bislang unveröffentlichten Tagebuchnotizen und Gedichte werden hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Gespräch mit dem Oldenburger Philosophen und Vorstand der Karl-Jaspers-Gesellschaft, Prof. Dr. Mathias Bormuth, erklärt Lahr, welchen Einfluss der Erste Weltkrieg und vor allem der Stellungskrieg an der flandrischen Westfront – den Piscator als junger Infanterist erlebte – auf dessen Kunst hatte.
Erwin Piscator (1893 – 1966) begründete mit seinen politisch revolutionären, ästhetisch avantgardistischen und technisch innovativen Theaterproduktionen eine neue Form des Theaters: das politische und epische Theater. 1936 vor den Nazis erst nach Paris, dann in die USA geflohen, gründet er im New Yorker Exil den „Dramatic Workshop“, eine Theaterschule, die eine ganze Generation großer amerikanischer Schauspieler und Dramatiker prägte – unter anderem Harry Belafonte und Tennessee Williams. In den 1960er Jahren mischt er sich als Intendant der Freien Volksbühne Berlin / West mit seinem dokumentarischen Theater erneut in die politisch-gesellschaftliche Debatte der jungen Bundesrepublik ein. Mit seinen Welturaufführungen von Hochhuths „Der Stellvertreter“ und Weiss’ „Die Ermittlung“ stößt er die Diskussion um die Verstrickung der Deutschen in den Holocaust an.
Lahr gilt als ausgesprochener Piscator-Experte. Er kuratierte die Ausstellung „Piscator: Politisches Theater im Exil“, die bislang in Bernried, New York, Catania, Salzburg und München zu sehen war. Als Programmdirektor von Elysium hat er zahlreiche Werke von Künstlern wiederentdeckt, die unter dem Druck des Nazi-Regimes ihre Heimat verlassen mussten oder ermordet wurden.

ⓘ www.karl-jaspers-gesellschaft.de/
 
ⓚ Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Bormuth, Institut für Philosophie, Universität Oldenburg, Tel.: 0441/798-2299, E-Mail: matthias.bormuth(Klammeraffe)uni-oldenburg.de