Presse & Kommunikation

UNI-INFO
< Inhalt 3/1998

Hochschulpolitik

Neues Wahrzeichen für die Universität

Eröffnung des Hörsaalzentrums mit Bundesforschungsminister Rüttgers und Wissenschaftsminister Oppermann

Nach mehr als zehnjähriger Planungsarbeit, aber nur 18monatiger Bauzeit ist jetzt das Hörsaalzentrum der Universität fertiggestellt worden und wird ab 20. April dem Vorlesungsbetrieb zur Verfügung stehen. An der offiziellen Eröffnung am Montag, 27. April, 11.00 Uhr, werden auch Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers und der neue Niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann teilnehmen. Die Feier wird von zwei Kompositionen der Oldenburger KomponistInnen Prof. Violeta Disnescu und Gustavo Becerra-Schmidt (beide Fachbereich 2) eingerahmt.

 Das Gebäude umfaßt drei Hörsäle mit 470, 260 und 200 Plätzen, die mit Hilfe mobiler Trennwände zu einem Audimax (ca. 900 Sitzplätze) kombiniert werden können. Hinzu kommen sechs Seminar- und Gruppenräume sowie ein Sitzungsraum, der künftig auch vom Senat genutzt wird. Die räumliche Kapazität der Universität wurde damit um rund 2.200 Quadratmeter Hauptnutzfläche und noch einmal 2.000 Quadratmeter Nebennutzfläche erweitert. Mit einem flächendeckenden PC-Netzwerk und modernen Video-Beamern ist das Hörsaalzentrum für den multimedialen Vorlesungsbetrieb gerüstet. .

 Der Bau, der inklusive Einrichtung 23,6 Millionen Mark gekostet hat, wurde in Form eines Investorenvorhabens errichtet, d.h. die Universität hat als Bauherr per Dienstleistungsvertrag Planungsleistungen, Ausschreibungen und Baubetreuung vom Staatshochbauamt Oldenburg direkt "eingekauft" und das Generalunternehmen Dyckerhoff & Widmann zu einem Festpreis verpflichtet. .

 Nach ganz neuen architektonischen Gestaltungsmitteln mußte gesucht werden, um das Hörsaalzentrum in das städtebauliche Umfeld einzufügen. Während die architektonische Nachbarschaft durch ihre sehr unterschiedlichen, ja fast unverträgliche Architektursprachen (AVZ und Zentralbereich) geprägt ist, hat das renommierte Hamburger Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner (1991/92) ein Gebäude entwickelt, das nach eigenem Bekunden weder Konkurrenz sucht noch eine zusätzliche dominierende Gebärde anstrebt. .

 Der Hauptzugang des Hörsaalzentrums befindet sich im Rundbau zum Uhlhornsweg. Weitere Zugänge liegen im Nordosten Ecke Ammerländer Heerstraße/Uhlhornsweg und im Bühnenbereich zur Anlieferung. Auch die Brücke zum AVZ und eine direkt unter der Brücke gelegene Windfanganlage gewähren den Zutritt zum Bau. Die vielfältigen Zugangsmöglichkeiten werden im Erdgeschoß durch die Kreisgeometrie gebündelt. In der Eingangshalle und auf den Foyerebenen finden sich Sitzecken und Ausstellungsbereiche. Blickfang im Bereich des Hauptzugangs ist das Kunstwerk von Detlef Kappeler (siehe UNI-INFO 2/98). .

 Schon jetzt ist abzusehen, daß das neue Hörsaalzentrum wegen seiner besonderen Architektur auch das neue Wahrzeichen der Universität wird.

Grubitzsch: "Kleine aber kontinuierliche Schritte"

Neuer Präsident gewählt / Amtsantritt am 1. Oktober

Nicht in aufgeregtem Aktionismus, sondern in kleinen aber kontinuierlichen Schritten wolle er den Berg besteigen, der vor ihm liege, erklärte der am 11. Februar neu gewählte Präsident der Universität Oldenburg, Prof. Dr. Siegfried Grubitzsch (rechts), in einem Interview mit UNI-INFO. Wichtig sei bei den notwendigen Umstrukturierungen, daß man den Kontakt zum Boden halte (Interview siehe Seite 6).

 Das Konzil hatte Grubitzsch am 11. Februar im vierten Wahlgang mit 72 von 133 Stimmen gewählt. Auf seine Mitbewerber Prof. Dr. Walter Schmitz (Universität Dresden) und Dr. Hans-Gerhard Husung (Wissenschaftsrat, Köln) entfielen 26 bzw. 21 Stimmen. Als Nachfolger von Prof. Dr. Michael Daxner (links), der seit 1986 die Universität Oldenburg leitet und bereits Mitte vergangenen Jahres auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, wird er das Amt am 1. Oktober 1998 antreten.

 Grubitzsch (57) studierte in Mainz und Braunschweig Psychologie und als Nebenfächer Betriebswirtschaft, Politik und Philosophie. Nach seinem Diplom 1967 in Braunschweig war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seiner Promotion 1972 schloß sich ein erster Ruf an die Pädagogische Hochschule Weinheim an, wo er zwei Jahre lehrte. 1974 wurde er an die neu gegründete Universität Oldenburg berufen, wo er von 1992 bis 1995 Dekan des Fachbereichs 5 Philosophie, Psychologie, Sportwissenschaft war und von 1995 bis 1997 das Amt des Vizepräsidenten bekleidete.

Eckprofessuren nicht gesichert

Die beiden Eckprofessuren "Rege-lungstechnik" und "Meßtechnik", die die Basis für den 1992 von der Landesregierung beschlossenen Fachbereich Ingenieurwissenschaft bilden sollten, können immer noch nicht besetzt werden. Vor einer Entscheidung über die Stellen, die bereits im Haushalt verankert sind, soll jetzt die neu eingerichtete Wissenschaftliche Kommission ein Votum abgeben.

 Obwohl der Fachbereich Ingenieurwissenschaften selbst wegen der schwierigen Haushaltslage in weite Ferne gerückt ist, sind die beiden Professuren von entscheidender Bedeutung für die Einrichtung eines neuen Diplom-Physikstudienganges, der sehr praxisorientierte Diplomphysiker heranbilden soll.

"ITAP" wird "GETAP"

Aus ITAP wird GETAP. Hinter die-sen Kürzeln verbirgt sich lediglich, daß das Institut für technische und angewandte Physik eine gemeinsame Einrichtung der Universität und der Fachhochschulen Oldenburg und Ostfriesland ist. Es wird nun unter dem Namen "Gemeinsame zentrale Einrichtung für Technische und Angewandte Physik (GETAP)" geführt.

Frauenförderung

Mit sieben Stellen aus den Berei-chen Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften ist die Universität Oldenburg am Dorothea-Erxleben-Programm des Landes Niedersachsen beteiligt. Das Erxleben-Programm fördert Frauen, die eine Habilitation oder eine entsprechende Qualifikation anstreben. Dafür werden auf drei Jahre befristete BAT IIa-Stellen eingerichtet, auf die sich landesweit 252 Frauen beworben haben. Bislang sind 41 Frauen in das Programm einbezogen, für das bis zum Jahr 2000 noch 7,5 Millionen Mark zur Verfügung stehen.

Große Resonanz auf Innovationsoffensive

69 Projektanträge - aber: Wie spart man 1,6 Millionen?

Die zwischen der niedersächsischen Landesregierung und der Landesrektorenkonferenz vereinbarte Innovationsoffensive hat in der Universität Oldenburg eine außerordentliche Resonanz gefunden. 69 Anträge zur Weiterleitung an das Wissenschaftsministerium gingen beim Präsidenten ein. Daran beteiligten sich alle Fachbereiche. Am stärksten ist der Fachbereich 3 Sozialwissenschaften mit 16 Anträgen vertreten, der Fachbereich 1 Pädagogik folgt mit sechs Anträgen, die Fachbereiche 4 (Wirtschafts- und Rechtswissenschaften) und 5 (Philosophie, Psychologie, Sportwissenschaften) mit jeweils fünf Anträgen. Neben den Fachbereichen reichten auch das ICBM, die Bibliothek und besonders stark das Didaktische Zentrum Anträge ein. Selbst die Verwaltung ist mit einem Antrag vertreten.

Obwohl nicht alle Anträge dem Ziel der Innovationsoffensive entsprächen, sondern eher in den Bereich Drittmittelprojekte gehörten, sei er beeindruckt von der Bereitschaft der Wissenschaft, sich an der notwendigen Reform der Universität zu beteiligen, erklärte Präsident Prof. Dr. Michael Daxner.

Die Innovationsoffensive im Land Niedersachsen sieht vor, daß Hochschulen und Landesregierung einen gemeinsamen Pool mit 54 Millionen Mark bilden, der die Umstrukturierung in den Hochschulen beschleunigen und sie wettbewerbsfähiger machen soll. Er soll neue Schwerpunktsetzungen ermöglichen, in dem alte Stellen abgebaut werden und zur Finanzierung neuer zukunftsorientierter Projekte dienen sollen. Dabei geht es vor allem um die Bereiche Ausstattung neuer Professuren, Bezahlung von Stipendien und Neukonzipierung von Studiengängen und anderer innovativer Projekte.

 Für den Pool muß die Universität Oldenburg in den Jahren von 1999 bis 2001 eine Summe 1,6 Millionen Mark durch Streichung von Stellen aufbringen. Das allerdings ist nur bedingt möglich. Die Universitätsleitung will auf keinen Fall wissenschaftliche Nachwuchsstellen opfern. Angesichts ihrer dünnen Personaldecke sei dies unverantwortbar, erklärte Daxner gegenüber dem Ministerium. Gleichzeitig wies er auf die vielen Umschichtungen hin, die die Universität seit 1995 bereits vollzogen habe oder vollziehen werde. 20 Stellen sind davon betroffen, davon die Hälfte Professuren. Das entspricht einem Volumen von fast 2 Millionen Mark.

"Keine Richtlinie zur Benachteiligung von Männern"

Neue Frauenförderrichtlinie vom Senat verabschiedet / Förderplan sowie Anreiz- und Sanktionssystem vorgesehen

Kürzlich hat der Senat der Universität eine neue Frauenförderrichtlinie verabschiedet. Sie ersetzt die Richtlinie von 1986 auf Grundlage neuerer gesetzlicher Regelungen, wie sie u.a. im Niedersächsischen Hochschulgesetz und im Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetz enthalten sind. Nach Auffassung der Gleichstellungsstelle sind insbesondere mit dem neu zu entwickelnden "Frauenförderplan" Hoffnungen auf eine "spür- und sichtbare Verbesserung der Situation von Frauen an der Universität" verbunden. Mit dem Plan verpflichtet sich die Hochschule, innerhalb eines Zeitraums von sechs bzw. zehn Jahren (für den professoralen Bereich) durch konkrete Maßnahmen "quantitativ die Unterrepräsentanz von Frauen an der Universität zu beseitigen und qualitativ die Studien- und Arbeitsbedingungen von Frauen an der Universität zu verbessern sowie Frauen- und Geschlechterstudien zu einem integralen Bestandteil von Studium, Lehre und Forschung fortzuentwickeln". Neben einem zentralen sollen auch dezentrale Frauenförderpläne für die einzelnen Fachbereiche und Organisationseinheiten erstellt werden. Zur Umsetzung der Fördermaßnahmen ist ein "Anreiz- und Sanktionssystem" vorgesehen.

 Für das Studium sei besonders das nach den Richtlinien zu schaffende "Ergänzende Qualifikationsangebot" wichtig, sagte die studentische Vertreterin in der Frauenförderkommission, Monika de Vries, in einer Stellungnahme. Die Kommission hatte die Richtlinie erarbeitet. So sollen künftig für Studentinnen regelmäßig Veranstaltungen zur "überfachlichen Qualifizierung" angeboten werden, z.B. Bewerbungstraining, Rhetorik, Kreatives Schreiben und Zeitmanagement.

 Im übrigen sei die Frauenförderrichtlinie keinesfalls gleichbedeutend mit einer "Männerbenachteiligungsrichtlinie", so de Vries. "Weil man eine Frau ist, ist man ja nicht automatisch gegen den Mann". Es gehe erst einmal darum, "den Frauen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben wie den Männern". Die Unterrepräsentanz von Frauen an der Universität ist besonders kraß ausgeprägt im Wissenschaftsbereich. So gehören hier nur 24 Prozent des Personals dem weiblichen Geschlecht an (Ende 1996). Bei den C4-Professuren sind es gar nur 3 Prozent. Beinahe ausgeglichen ist dagegen das Verhältnis bei den Studierenden (48 Prozent weiblich), abgesehen von erheblichen Unterschieden in einzelnen Fächern (z.B. Germanistik 73 Prozent, Informatik 7 Prozent, Physik 12 Prozent weiblich).

Amtlich

Unter anderem die Habilitationsord-nung und die Grundordnung der Universität sowie Änderungen des Niedersächsischen Hochschulgesetzes sind in den jetzt erschienenen "Amtlichen Mitteilungen" der Universität veröffentlicht. Außerdem enthält die Broschüre ein alphabetisch nach Stichworten geordnetes Sachregister aller 16 Jahrgänge der Amtlichen Mitteilungen von 1982 bis 1997. Herausgeber der Schrift ist der Präsident der Universität.

Unverbogene Liberalität

Michael Daxner über Helga Schuchardt

Helga Schuchardt, seit 1990 Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, wird zum 31. März 1998 aus dem Amt scheiden. Ich möchte es nicht bei jenem pauschalen Dank bewenden lassen, der einem leicht über die Lippen kommt, wenn eine verdiente Politikerin aus dem Amt scheidet. Die Universität Oldenburg, ihre Mitglieder und ihre Leitung haben in Frau Schuchardt über zwei Legislaturperioden eine engagierte Anwältin ihrer Konsolidierung und ihrer Reformperspektiven gehabt. In vieler Hinsicht war diese Ministerin unkonventionell ungeduldig, bis in die Fingerspitzen politisch - Vorzüge, die man nicht allen Mitgliedern der Kultusministerkonferenz ohne weiteres zusprechen kann. Engagiert hat Frau Schuchardt von Anfang an die Regionalisierungskonzepte der Landesregierung umgesetzt, ihre Hilfestellung bei der Einführung des Globalhaushalts, bei der Gründung des Wissenschaftskollegs, bei den großen Bauvorhaben der Universität und in vielen Einzelangelegenheiten haben wir dankbar vermerkt. Diese Qualitäten und auch das Engagement von Frau Schuchardt für die Belange der Frauen und für alle Bereiche der Kultur haben in Oldenburg auch entsprechende Ressonanz gefunden. Für eine Würdigung der Arbeit von Frau Schuchardt reichen diese knappen Hinweise nicht aus. Ihre Vorstellung zur Hochschulreform und der damit verbundenen politischen Kultur in einer zivilen Gesellschaft verdienen um so mehr Aufmerksamkeit, als sie unverbogene Liberalität und starke Prinzipien gegen Mangelverwaltung, Rasenmäherpolitik, aber auch gegen den Dünkel überkommener akademischer Isolation aufrechterhalten hat. Was in Niedersachsen, und vor allem in Oldenburg, an Reformen angestoßen wurde, hat weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden, und dafür ist Frau Schuchardt zu danken. Manchmal hat sie mich an jene Märchensatire erinnert, bei der Bittsteller von einer guten Fee aufgefordert werden, ihre Wünsche zu nennen. Die Antwort der Fee lautet immer gleich: "Jetzt haben Sie ein so hohes Amt und glauben immer noch an Feen!" Der Realismus, der mit ihren Prinzipien durchaus vereinbar war, hat in einer für die Hochschulpolitik schwierigen und turbulenten Situation dem öffentlichen Anliegen der Studierenden und der Wissenschaft mehr als einmal genützt. Dafür, und für ihre Art des Umgang mit den Hochschulen, sage ich im Namen der Carl von Ossietzky Universität Frau Schuchardt Dank.

Spätes Lob für Schuchardt

IDW attestiert Wissenschaftsministerin gute Arbeit

Das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IDW) hat in seiner Schwachstellenanalyse der Hochschul- und Forschungspolitik Niedersachsen gute Leistungen bescheinigt und damit der scheidenden Wissenschaftsministerin, die besonders von den großen Universitäten heftig kritisiert wurde, einige Genugtuung verschafft. Die niedersächsischen Hochschulen haben danach überdurchschnittlich Drittmittel eingeworben, das naturwissenschaftlich-technische Nachwuchspotential liegt über dem Durchschnitt der übrigen Länder, die Relation zwischen StudentInnen und ProfessorInnen ist günstiger als anderswo, die StudentenInnen in Niedersachsen sind etwas früher fertig als ihre Kommilitonen, zugleich aber geringfügig älter. Die Kölner Untersuchung hebt ferner hervor, daß die niedersächsischen Hochschulen mehr Sonderforschungsmittel eingeworben haben als andere Hochschulen, umgerechnet auf das wissenschaftlichen Personal pro Kopf 3.388 Mark gegenüber 2.487 Mark in den anderen Ländern. Gut positioniert sieht die Studie Niedersachsen in der innovativen Forschung, gemessen am Patentaufkommen der Hochschulen; in einer Rangliste der besten 30 befinden sich allein vier niedersächsische Hochschulen, aus Nordrhein-Westfalen sind es, obgleich es die größte Hochschuldichte hat, lediglich fünf. Die Reformansätze des Wissenschaftsministeriums werden in der Analyse als vorbildlich im Vergleich mit anderen Ländern bezeichnet. Als besonders positiv wird die systematische Evaluierung der Hochschulen und ihrer Fachbereiche sowie der Forschung hervorgehoben. (rundblick)