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Inhalt 6/2001

Hochschulpolitik


Sie ist vollbracht

Mehrheit des Senats für Reform der Hochschulstruktur

Mit knapper Mehrheit hat sich der Senat der Universität Oldenburg nach mehr als zweijähriger Diskussion für eine grundlegende Änderung der Hochschulstruktur entschieden. Auf seiner Sitzung am 27. Juni legte er fest, dass es künftig anstelle der jetzt elf Fachbereiche nur noch fünf Fakultäten und für jedes Fach nur noch ein Institut geben wird.

Präsident Prof. Dr. Siegfried Grubitzsch sprach von einem großen Tag für die Universität, an dem eine entscheidende Weiche für die Zukunft gestellt worden sei. Auch wenn sich der Senat nicht für den Vorschlag der Planungskommission und des Präsidiums habe entscheiden können, sei er doch mit dem Ergebnis zufrieden. Er sehe darin die Bestätigung seiner Hochschulpolitik, die einen Umbau der Universität ermögliche. Der Umbau sei unbedingt erforderlich, um den immer stärker werdenden Wettbewerb der Hochschulen untereinander bestehen zu können. „Das war die wichtigste Entscheidung meiner Amtszeit“, erklärte Grubitzsch.

Das Präsidium hatte das Vier-Fakultäten-Modell als Hauptantrag in den Senat eingebracht, das die Bildung einer Fakultät Naturwissenschaften/Mathematik, einer Fakultät Informatik und Wirtschaftswissenschaften sowie zwei Fakultäten für den geisteswissenschaftlichen Bereich vorsah. Das aber machte insbesondere dem jetzigen Fachbereich 3 Sozialwissenschaften zu schaffen. Er wollte nicht, wie im Präsidiumsvorschlag vorgesehen, mit dem jetzigen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaften unter ein Fakultätendach zusammengelegt werden, sondern sich mit dem Fachbereich 5 (Philosophie, Psychologie, Sportwissenschaft) vereinigen unter Aufgabe der Fächer Technik sowie Arbeit/Wirtschaft, die der Fakultät Informatik und Wirtschaft zugeschlagen werden. Der vom Fachbereichsrat 3 einstimmig gefasste Beschluss wurde vom Senat mehrheitlich übernommen.

Mindestens ebenso wichtig wie die Fakultätenbildung ist der Grundsatzbeschluss „Ein Fach ein Institut“, der eine höhere Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit für Studium und Lehre schafft. Planungsderzernent Yorck Herner: „Die bisherige Zersplitterung von Fachkompetenzen war insbesondere für Studierende ein großes Ärgernis. Das haben wir in einem großen Konsens ändern können.“

Neben den Instituten gibt es Zentren für interdisziplinäre Lehre und Forschung (wie z. B. Frauen- und Geschlechterforschung) sowie vor allem Forschungszentren als Aushängeschilder der Universität für ihr wissenschaftliches Profil. Die Forschungszentren werden nicht als Dauereinrichtungen etabliert, sondern sind zeitlich befristet (Mindestdauer: fünf Jahre) und setzen eine hochrangige Begutachtung voraus.

Der Beschluss, der noch vom Ministerium bestätigt werden muss, soll bis Oktober nächsten Jahres umgesetzt werden. Dafür wird eine Kommission eingesetzt, über deren Zusammensetzung der Senat in der nächsten Sitzung entscheiden wird.

Die neue Hochschulstruktur

FAKULTÄT I

Fächer: Pädagogik, Sachunterricht, Sonderpädagogik

Institute:
• Pädagogik/Sachunterricht
• Sonderpädagogik

FAKULTÄT II

Fächer: Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Technik, Arbeit/Wirtschaft

Institute:
• Informatik
• Volkswirtschaftslehre
• Betriebswirtschaftslehre
• Rechtwissenschaften
• Bildung (Ökonomische Bildung, Technische Bildung,
Wirtschaftspädagogik)

FAKULTÄT III

Fächer: Germanistik, Niederlandistik, Anglistik, Slawistik, Kunst, Musik, Textiles Gestalten

Institute:
• Germanistik
• Neue Philologien (Anglistik, Slawische Philologie, Niederländische Philologie)
• Kunst / Textil
• Musik

FAKULTÄT IV

Fächer: Soziologie, Politikwissenschaft, Ev. Theologie, Geschichte, Philosophie, Jüdische Studien, Frauen- und Geschlechterstudien, Psychologie, Sportwissenschaft

Institute:
• Soziologie
• Politikwissenschaft
• Evangelische Theologie
• Geschichte
• Philosophie
• Psychologie
• Sportwissenschaft

FAKULTÄT V

Fächer: Biologie, Physik, Chemie, ICBM, Mathematik

Institute:
• Bio-, Geo- und Umweltwissenschaften
• Physik
• Chemie
• Institut für Chemie und Biologie des Meeres
• Mathematik

"Studierende wollen Orientierung“

Interview mit der neuen Vizepräsidentin Marion Rieken

Mit großer Mehrheit ist die Frauenbeauftragte der Universität, Marion Rieken (rechts), zur neuen Vizepräsidentin gewählt worden. Präsident Prof. Dr. Siegfried Grubitzsch schlug Rieken dem Konzil mit der Begründung vor, sie habe in ihrer Arbeit gezeigt, dass sie eine pragmatisch denkende und handelnde Frau sei, die kompetent das Gesamtinteresse der Hochschule im Blick habe. Die Politologin löst die Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung, Ina Grieb, ab, die sechs Jahre das Amt der Vizepräsidentin wahrnahm und nicht wieder kandidierte.
UNI-INFO: Frau Rieken, Sie waren wissenschaftliche Mitarbeiterin, 1997 sind Sie Frauenbeauftragte geworden, im Juni wählte Sie das Konzil mit großer Mehrheit zur Vizepräsidentin. Was ist das für ein Gefühl?
RIEKEN: Wir denken, die Wahl ist eine Bestätigung meiner Arbeit als Frauenbeauftragte. Darüber freue ich mich. Auf der anderen Seite gebe ich mein Amt ungern ab. Wir haben hier als Team in der Universität etwas fortgeführt und Neues aufgebaut, was allgemein anerkannt wird.
UNI-INFO: Wie ist es Ihnen gelungen, auch die größten Gegner einer institutionalisierten Frauenförderung „ruhig“ zu stellen?
RIEKEN: Wir denken, wir haben in sehr vielen Gesprächen viele von der Notwendigkeit der Frauenförderung überzeugt und in der konkreten Arbeit Ängste vor einer einseitigen Ausrichtung abgebaut.
UNI-INFO: Werden Sie sich als Vizepräsidentin in besonderer Weise der Frauenförderung widmen?
RIEKEN: Ich habe für das Amt der Vizepräsidentin kandidiert, nicht für das Amt einer Frauenbeauftragten auf anderer Ebene. Aber ich werde als Ansprechpartnerin im Präsidium für die Frauenförderung zur Verfügung stehen und Vorsitzende der Kommission für Frauenförderung sein.
UNI-INFO: Wie stellen Sie sich Ihren Start als Vizepräsidentin vor?
RIEKEN: Mein erstes Ziel ist, innerhalb des Präsidiums eine Diskussion über die Qualität für die Ressorts anzustoßen, für die ich zukünftig zuständig sein werde. Es wird darum gehen, wie die Qualität zu sichern, wie sie zu verbessern ist und unter welchen Bedingungen sie sich verschlechtert.
UNI-INFO: Sie werden u. a. auch das Ressort Studium und Lehre übernehmen. Wie groß ist der Bedarf an Reformen bzw. Bewusstseinsänderungen - z. B. daran, dass die Studierenden mehr als „Kunden“ wahrgenommen und behandelt werden?
RIEKEN: Ich glaube nicht, dass „Kunde“ oder „Kundin“ der richtige Begriff ist. Studierende wollen mehr Orientierung, als wir ihnen bisher gegeben haben. Da müssen wir was tun. Zum anderen wird die Forderung immer lauter, das Studium stärker berufsqualifizierend zu strukturieren. Auch das müssen wir ernst nehmen und z. B. ein großes Augenmerk auf überfachliche Qualifikationen legen. Sie kommen eindeutig zu kurz. Auch deshalb ist der Berufseintritt für viele so schwer.
UNI-INFO: Sie befürchten also nicht, dass eine zu stark ausgerichtete berufliche Orientierung zu einer Verschulung und Verengung des Studiums führt?
RIEKEN: Nein, das glaube ich nicht. Wir denken, Orientierung und Verschulung sind zwei unterschiedliche Dinge. Sie sollte man nicht verwischen. Wenn wir 0rientierung geben und Transparenz gewährleisten, hat das mit Verschulung nichts zu tun.
UNI-INFO: Nicht wenige meinen, das amerikanische System mit Bachelor- und Masterabschlüssen würde bei Reformen hilfreich sein. Muss die Uni mehr Studiengänge mit solchen Abschlüssen anbieten?
RIEKEN: Vorsicht ist angesagt. Bachelor und Master sind in einer ganz bestimmten Studientradition entstanden, die man hier nicht einfach aufpropfen kann. Aber es lohnt sich natürlich, dorthin zu schauen. Und in der Physik, Informatik und in den Kulturwissenschaften haben wir ja auch schon Bachelor- bzw. Masterabschlüsse. In Nordrhein-Westfalen gibt es erste Versuche, sie flächendeckender einzuführen. Wir sollten auch über solche Modellprojekte nachdenken - und dabei nicht die Geistes- und Sozialwissenschaften ausschließen.

Brief an Ministerpräsident Gabriel
zur Zukunft der Universität Oldenburg

Von E-Learning bis zum Wasserstoff / Universität und Oldenburgische IHK wenden sich gemeinsam an die Regierung in Hannover

In einem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Sigmar Gabriel haben der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, Dr. Joachim Peters, und Universitätspräsident Prof. Dr. Siegfried Grubitzsch ihre Vorstellungen zur Forschungs- und Wirtschaftsentwicklung konkretisiert. Danach sollen E-Learning, Küsten- und Flachmeerforschung (ICBM), Sicherheitskritische Systeme (Informatik), Energie-, Halbleiter- und Materialforschung (Physik und Chemie) Bereiche sein, „die im Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft ausgebaut werden können. „Neu in die Diskussion werfen Grubitzsch und Peters ein Pilotprojekt zur Nutzung von Wasserstoff im Nahverkehrsbereich. Die Wissenschaft soll das Projekt begleiten und die Kombinationsmöglichkeiten beim Einsatz von Windkraft und Wasserstoff als Energieträger der Zukunft untersuchen.

Weiter wird die Schaffung einer maritimen Leitstelle vorgeschlagen, die die verschiedenen Bereiche der maritimen Wirtschaft - vom Schiffbau über Wasserbau bis hin zu Fishfarming - vernetzen und Forschungsarbeit leisten soll. Auch bei der Ernährungswirtschaft, die im Nordwestraum eine große Rolle spielt, geht es um Vernetzung und Entwicklung sowie die Errichtung neuer grundständiger und Weiterbildungsstudiengänge.

„Unsere Vorschläge werden nicht leicht zu verwirklichen sein. Aber sie sind für die Entwicklung der Region von großer Bedeutung, wenn wir verhindern wollen, dass es immer mehr Menschen in andere Standorte treibt“, sagte Grubitzsch dazu. Der Bereich Akustik sei in dem Bericht nicht erwähnt worden, weil dieser Schwerpunkt bereits große Unterstützung durch das Land erfahren habe.

Der Brief an Gabriel war eine weitere Initiative im Rahmen der Aktion “Spitzen aus Nordwest”. Dieses Bündnis von Wirtschaft und Wissenschaft der Region hatte Anfang des Jahres ein Weißbuch herausgegeben, das einerseits die Vernachlässigung des Nordwestens durch die Landespolitik nachweist, auf der anderen Seite aber auch das wissenschaftliche Entwicklungspotenzial aufgezeigt.

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