Inhalt 9/2008

Hochschulpolitik

Zwei kommissarische Vizepräsidenten

Der Informatiker Prof. Dr. Hans-Jürgen Appelrath (l.) und der Chemiker Prof. Dr. Mathias Wickleder (r.) werden zum 1. Januar 2009 die Vizepräsidentenämter für Forschung bzw. für Studium und Lehre übernehmen. Sie werden vom Wissenschaftsminister auf Vorschlag des alten Präsidiums mit der Wahrnehmung der Aufgaben beauftragt.

Appelrath und Wickleder lösen Prof. Dr. Reto Weiler und Prof. Dr. Sabine Doering ab, deren Amtszeit am 31. Dezember endet. Weiler will sich auf das Rektorat im Hanse-Wissenschaftskolleg konzentrieren, Doering ihre Forschung wieder aufnehmen.
Die Amtszeit der kommissarischen Vizepräsidenten wird so lange dauern, bis der/die neu zu wählende PräsidentIn das Amt angetreten hat und KandidatInnen für die Vizepräsidentenämter dem Senat zur Wahl vorschlägt.

Das höchste Amt der Universität ist nach dem Rücktritt von Prof. Dr. Uwe Schneidewind verwaist. Die Aufgaben nimmt die Vizepräsidentin für Verwaltung, Dr. Heide Ahrens, wahr. Sie dankte Appelrath und Wickleder für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sie in der Übergangszeit zu unterstützen.

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Appell der Neuberufenen

Mit dem Appell, bei der Wahl der neuen Universitätsleitung darauf zu achten, dass die Forschungs- und Leistungsorientierung weiter entwickelt werden soll, haben sich 33 neu berufene ProfessorInnen an die Findungskommission gewandt. Viele hätten sich bewusst für die Universität Oldenburg entschieden, da sie überzeugt seien, dass hier eine international konkurrenzfähige und qualitativ hochwertige Forschung betrieben werde. Deshalb werde ein Präsidium benötigt, das eine qualitäts-, leistungs- und forschungsorientierte Politik verfolge.
Betont wird in der Erklärung auch der Wert der Lehre. Dazu heißt es: „Wir sind überzeugt, dass wir als attraktive Lehr- und Forschungsinstitution in der deutschen Hochschullandschaft nur bestehen können, wenn Qualität und Leistung im Zentrum von Lehre und Forschung stehen.“
Der Initiator des Appells, der Biologe Prof. Dr. Henrik Mouritsen, sagte dazu, man habe von den 49 ProfessorInnen, die in den vergangenen drei Jahren berufen worden seien, 42 ansprechen können. 33 hätten ihre Unterschrift gegeben.

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"Bologna" ist in Oldenburg Realität

Alle Bachelor- und Masterstudiengänge akkreditiert

Das Studienangebot der Universität Oldenburg ist mit seinen 60 Bachelor- und Masterstudiengängen komplett akkreditiert und hat damit die bundesweite und internationale Anerkennung erreicht. „Wir haben die komplizierte Umstellung von den alten Diplom-, Magister- und Lehramtsstudiengängen in das neue Studiensystem geschafft und mit der erfolgreichen Akkreditierung aller Studiengänge den Oldenburger Beitrag zur Umsetzung der Bologna-Erklärung zwei Jahre vor dem Ziel erreicht. Die Universität stellt einmal mehr ihre Fähigkeit zur Erneuerung unter Beweis“, erklärte dazu die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Dr. Sabine Doering.

Nach der Bologna-Vereinbarung der EU-Wissenschaftsminister von 1999 soll Europa bis 2010 zu einem Hochschulraum entwickelt werden, in dem das gesamte Studiensystem auf Bachelor- und Masterstrukturen umgestellt wird. Damit sollen Abschlüsse vergleichbar und die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen ermöglicht werden.

Die Universität Oldenburg hatte mit der Umstellung der Studienstrukturen bereits 2004 begonnen und gehörte damit bundesweit zu den ersten Hochschulen, die diesen Prozess systematisch in Gang setzten. Wie von der Kultusministerkonferenz (KMK) gefordert, wurden alle neuen Bachelor- und Masterstudiengänge ausgewählten Akkreditierungsagenturen zur Überprüfung vorgelegt.

Dass die 17 Bachelor- und 43 Masterstudiengänge das Zertifikat der Agenturen erhielten, ist nach Ansicht von Doering Ausdruck des großen Gewichts, das die Universität der Lehre neben der Forschung gebe. Bei allen Anfangsschwierigkeiten, die eine so tiefgreifende Reform mit sich bringe, sei sie optimistisch, dass nun auch die im Leitbild der Universität verankerte Optimierung des neuen Studiensystems erfolgreich fortgeführt werde.

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Vom Skeptiker und Kritiker zum wichtigen Förderer

Jörg Bleckmann zum Ehrensenator der Universität ernannnt / Nachrdrücklicher Einsatz für Spitzenforschung und Transparenz

Mit einem Festakt ist der bisherige Vorstandsvorsitzende der Oldenburgischen Landesbank und ehemalige Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Oldenburg e.V. (UGO), Dr. Jörg Bleckmann (Foto), zum Ehrensenator der Universität Oldenburg ernannt worden. Bei der Übergabe der Urkunde sagte die kommissarische Präsidentin Dr. Heide Ahrens, aus einem skeptischen und kritischen Begleiter der Universität Oldenburg sei einer ihrer wichtigsten Unterstützer geworden.
Bleckmann stehe beispielgebend für die Annäherung von Wirtschaft und Universität, hob der Informatiker Prof. Dr. Hans-Jürgen Appelrath in seiner Laudatio hervor. Das Ziel des Bankers sei es stets gewesen, den Elfenbeinturm Universität transparenter zu machen und Spitzenwissenschaftler nach Oldenburg zu holen. Obwohl er sonst immer für Kosteneinsparungen im öffentlichen Bereich plädiert habe, sei er deutlich gegen Haushaltskürzungen im Hochschulbereich aufgetreten. Er wisse, was die Universität für die Gesellschaft bedeute. Deshalb habe er sich schon vor 20 Jahren in der Universitäts-Gesellschaft engagiert. Appelrath wörtlich: „Damals machten noch viele Repräsentanten der Region einen Bogen um die UGO. Ich habe nie verstanden, warum nicht alle an Bildung und Wissenschaft interessierten Bürgerinnen und Bürger der Region Mitglied der UGO sind.“

Bleckmanns Einsatz für die Universität sei immer auf der Basis einer kritischen Analyse ihrer Entwicklung geschehen, betonte Appelrath. Aber gerade die kritische Sicht habe wichtige Impulse gegeben. Dass ihm seine Klarheit und Kritikfähigkeit nicht nur Freunde gemacht habe, verstehe sich bei „seiner bohrend auf den Kern gehenden Diskussionsfreude“ von selbst. In diesem Sinne zitierte Appelrath Karl Jaspers, der in seiner „Idee einer Universität“ schrieb: „Die Idee der Universität lässt nicht nur zu, sondern fordert sogar, Persönlichkeiten in ihren Körper aufzunehmen, die ihr selbst widersprechen.“

Bleckmann sagte in seiner Dankesrede, die Universität Oldenburg bedeute eine Riesenchance für die Entwicklung der Region, die bis heute noch nicht ausreichend wahrgenommen werde. Diesen Prozess zu forcieren, sei Grund seines ehrenamtlichen Engagements. Nachdrücklich setzte sich Bleckmann für intensive Forschung an der Universität ein. Sie müsse das Herzstück sein und sich an der Spitzenforschung orientieren. Es gebe keine Alternative dazu, wenn sich die Universität Oldenburg als Förderer der Region verstehe und im Konzert ihrer Konkurrenten mithalten wolle.

Bleckmann ist nach dem Unternehmer Heinz Neumüller, dem Banker Dr. Christopher Pleister und dem polnischen Wissenschaftler Prof. Dr. Andrzej Jamiolkowski der vierte Ehrensenator der Universität Oldenburg. Der Jurist startete nach seinem Studium und Referendariat seine Karriere als Banker bei der Deutschen Bank in Frankfurt. 1982 wechselte er nach Oldenburg und trat drei Jahre später in die Oldenburgische Landesbank (OLB) ein. Hier wurde er 1994 in den Vorstand berufen und zehn Jahre später Sprecher des Vorstands. In diesem Sommer ging er in den Ruhestand. Der UniversitätsGesellschaft gehört Bleckmann bereits seit 1987 an und war von 2003 bis 2007 ihr Vorsitzender. Als UGO-Vorsitzender erwies er sich als großer Förderer der Wissenschaft. Sichtbare Zeichen dafür sind u.a. die UGO-Förderstiftung und der OLB-Weser-Ems-Wissenschaftspreis. Zudem war er maßgeblich an der Errichtung von Stiftungsprofessuren in der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften beteiligt. Die 20.000 €, die aus Anlass seines Ausscheidens aus dem OLB-Vorstand gesammelt wurden, stellte er zu gleichen Teilen der KinderUniversität Oldenburg und dem Projekt WiGy (Wirtschaft an Gymnasien) zur Verfügung.

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