Inhalt 9/2008

Das aktuelle Interview

"Wir wollen in die Top-Liga der Forschungsinstitute"

Interview mit Next Energy-Leiter Carsten Agert

Seit einem Jahr ist der Physiker Prof. Dr. Carsten Agert damit beschäftigt, ein neues An-Institut aufzubauen: Next Energy - EWE- Forschungszentrum für Energietechnologie. Dem Gebäude am Standort Wechloy wurde gerade die Richtkrone aufgesetzt. Am 8. Dezember wird Agert die Strategie des neuen Instituts im Rahmen seiner Antrittsvorlesung vorstellen.

UNI-INFO: Herr Agert, in gut einem halben Jahr werden Sie das neue Gebäude von „Next Energy“ beziehen können. Haben Sie Ihre Stammmannschaft zusammen?

AGERT: In diesem Jahr hatten wir unsere Strategiefindung und den Aufbau unseres engeren Personalstamms ins Zentrum gestellt. Das hat sehr gut funktioniert.

UNI-INFO: Ist es nicht schwierig, in diesem Bereich hoch qualifizierte Leute zu finden?

AGERT: Das ist zur Zeit im gesamten Energiebereich tatsächlich schwierig, besonders im Sektor der erneuerbaren Energien. Es herrscht ein Mangel an qualifiziertem Personal. Ich bin allerdings mit der Mannschaft, die wir hier gefunden haben, äußerst glücklich, da es uns gelungen ist, sehr gute Leute zu gewinnen. Das hat sicher damit zu tun, dass wir in der Aufbauphase sind und so viel Mitgestaltungsraum bieten können. Zum anderen haben wir uns sehr attraktive Themen ausgesucht: Mit Brennstoffzellen, Photovoltaik und Stromspeichern forschen wir nicht in rückständigen Bereichen, sondern sind wirklich im Herzen dessen, was an Herausforderungen für die Zukunft ansteht. Und letztlich sind wir außerhalb des öffentlichen Dienstes angesiedelt und können uns somit besonders viel Mühe geben, als Arbeitgeber überdurchschnittlich attraktiv zu sein.

UNI-INFO: Die EWE erwartet von Ihnen, dass Sie in fünf Jahren die ersten verwertbaren Ergebnisse vorlegen.

AGERT: Das wird auch definitiv so sein, wahrscheinlich bereits früher.

UNI-INFO: Reicht das Fördergeld dafür?

AGERT: Die EWE hat das Institut mit einer großzügigen, mittelfristig garantierten Fördersumme ermöglicht. Wenn Sie aber sehen, wie viel wir uns vorgenommen haben, wie viele Themenbereiche wir gleichzeitig bearbeiten möchten, und dass unsere Infrastruktur nicht wie andernorts durch ein Bundesland finanziert wird, dann stellen Sie schnell fest, dass wir in den einzelnen Forschungsbereichen alles andere als reich sind. Wir sind daher darauf angewiesen, im Bereich der drittmittelfinanzierten Forschung schnell erfolgreich zu sein. Wir haben uns vorgenommen, mittelfris-tig im Bereich der Drittmittelforschung ungefähr das Gleiche umzusetzen, was wir von der EWE als maßgebliche Grundfinanzierung bekommen.

UNI-INFO: Das heißt, da geht es insgesamt schon um eine zweistellige Millionensumme. Wird das die Finanzmarktkrise zulassen?

AGERT: Ich hoffe, ja, obwohl natürlich die Gefahr besteht, dass als erstes bei der Forschung gespart wird. Da aber der Sektor der erneuerbaren Energien auch international eine so starke positive Eigendynamik gewonnen hat, wird es sicher keine wirkliche Trendwende geben. Ich blicke da sehr optimistisch in die Zukunft.

UNI-INFO: Hilft Ihnen auch der Obama-Effekt?

AGERT: Alle hoffen auf Amerika, und ich glaube auch, dass von dort eine große, neue Dynamik im Bereich erneuerbarer Energien einsetzt – besonders in der Photovoltaik. Ein weiteres Beispiel ist der Kraftfahrzeugsektor, in dem wir mit den Energiespeichern sehr aktiv sind. Auch hier tut sich beispielsweise ja Kalifornien hervor.

UNI-INFO: Die Universität Oldenburg hat Anfang der 80er Jahre mit ihren Forschungen über alternative Energien begonnen. Das war sehr früh. Welche Rolle spielt Oldenburg heute, sowohl national als auch international?

AGERT: Nach fast einem Jahr in Oldenburg ist mein Eindruck, dass hier auf mehreren Feldern exzellente Energieforschung betrieben wird.

UNI-INFO: Auf welchen Feldern?

AGERT: Da sind exemplarisch mit Sicherheit die Photovoltaik-Forschung und ForWind bei den
Physikern zu nennen sowie natürlich das OFFIS bei den Informatikern. Außerdem wird im Bereich der Wirtschaftswissenschaften und an zahlreichen weiteren Stellen hervorragende Arbeit geleistet. Durch eine gute Vernetzung können wir aus meiner Sicht die Wahrnehmung und die Bedeutung des Standorts Oldenburg deshalb sowohl national als auch international gemeinsam noch deutlich voranbringen.

UNI-INFO: „Next Energy“ soll den Standort Oldenburg weiter nach vorne treiben. Die Erwartungen sind hoch. Wo wird „Next Energy“ in zehn Jahren stehen?

AGERT: Wir wollen bis dahin in die Top Liga der deutschen Energieforschungsinstitute aufsteigen. Das wird nicht leicht sein. Es gibt zehn bis zwölf große Institute, mit denen wir uns messen müssen.

UNI-INFO: Und wo steht dann der gesamte Standort Oldenburg mit seiner Energieforschung?

AGERT: Ich würde mich freuen, wenn Oldenburg in zehn Jahren in der gleichen Liga spielt wie Freiburg oder Jülich. Und das halte ich durchaus für möglich.

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