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Uni-Info Hochschulzeitung

Inhalt 1/2011

Forschung

Neue Therapiemöglichkeiten für ADHS-Betroffene?

Oldenburger Psychologen erforschen Wechselstrom-Stimulation

Proband bei der Aufzeichnung seiner EEG-Aktivitäten: Während der Stimulation wird für zehn Minuten ein schwacher, nicht spürbarer Wechselstrom angewendet. Foto: Ingo Wagner


Mit der elektrischen Aktivität im menschlichen Gehirn beschäftigt sich die Forschungsgruppe des Psychologen Prof. Dr. Christoph Herrmann. In dem Aufsatz „Transcranial Alternating Current Stimulation Enhances Individual Alpha Activity in Human EEG“ („Trans-kranielle Wechselstrom-Stimulationen verstärken die individuellen Alpha-Aktivitäten im menschlichen EEG“), der kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlicht wurde, setzen sich die WissenschaftlerInnen mit einem Verfahren auseinander, das die Hirnoszillationen des Menschen verändert. Die Forschungsergebnisse könnten als Ausgangsbasis zur Therapie bei psychiatrischen Erkrankungen genutzt werden, wie zum Beispiel dem Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS).

Die elektrische Aktivität im menschlichen Gehirn besteht vorwiegend aus Schwingungen verschiedener Frequenzen. Die-se Schwingungen sind Voraussetzung sowohl für motorische Prozesse als auch für kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Wahrnehmung. Bei zahlreichen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen verändern sich diese Schwingungen, was eine Störung der motorischen oder kognitiven Funktionen zur Folge hat. Abhilfe kann hier die elektrische Stimulation der gestörten Hirnregion schaffen, wie im Fall der tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Patienten.

Bisher erfordert dies jedoch die Implantation eines Hirnschrittmachers mit Elektroden, die tief ins Gehirn eingebracht werden müssen. Die WissenschaftlerInnen haben sich mit einer Methode beschäftigt, die eine weniger invasive Beeinflussung der Hirnaktivität verspricht. Bei der transkraniellen Wechselstrom-Stimulation (transcranial Alternating Current Stimulation tACS) werden zwei Elektroden auf der Kopfhaut platziert. Während der Stimulation wird für zehn Minuten ein schwacher, nicht spürbarer Wechselstrom angewendet. Bekannt war, dass eine solche Stimulation zu Wahrnehmungs- und Verhaltenseffekten führen kann. Über die genaue Wirkungsweise auf die neuronalen Schaltkreise des Gehirns gab es bislang keine Kenntnisse.

„Wir können nun aufzeigen, wie die trans-kranielle Wechselstrom-Stimulation die elektrischen Schwingungen im Gehirn moduliert“, erklärte Herrmann. Nach einer zehnminütigen Stimulation konnte im Elektroenzephalogramm (EEG) eine Zunahme der entsprechenden Schwingungen nachgewiesen werden. „Durch die plastische Veränderung neuronaler Synapsen hält dieser Effekt auch nach dem Ende der Stimulation an“, so Herrmann. Dies eröffne die Möglichkeit, preisgünstig und minimalinvasiv die veränderten Schwingungen elektrischer Hirnaktivität – wie wir sie bei psychischen Krankheiten vorfinden – wieder auf ein gesundes Maß anzuheben, und damit einhergehende kognitive Defizite zu beheben. (tk)

Küstenschutzstrategien

COMTESS erarbeitet Handlungsempfehlungen

Die Chancen und Risiken verschiedener Küstenschutzstrategien, ihre ökologischen, soziologischen und ökonomischen Folgen stehen im Mittelpunkt des neuen Verbundforschungsprojekts COMTESS (Sustainable Coastal Land Management: Trade-offs in EcoSystem Services). Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts „Nachhaltiges Landmanagement“ im Zeitraum 2011 bis 2015 mit 3,3 Mio. Euro gefördert. Die Arbeitsgruppe Landschaftsökologie der Universität Oldenburg koordiniert das Projekt, beteiligt sind die Oldenburger Arbeitsgruppen Bodenkunde und Vergleichende Politikwissenschaft sowie das Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung (COAST).

„Küstenschutzmaßnahmen sind aufwändig, langwierig und teuer. Sie müssen daher sorgfältig abgewogen werden“, erklärte Prof. Dr. Michael Kleyer, Oldenburger Hochschullehrer für Naturschutz und Landschaftsplanung und Leiter der Arbeitsgruppe Landschaftsökologie. An der Ostfriesischen Nordseeküste soll das Projekt Perspektiven für eine zweite Deichlinie analysieren und dabei klären, welche Landnutzungen zwischen erster und zweiter Deichlinie sinnvoll sind. Im Bereich der Boddenlandschaft der Ostseeküste beschäftigen sich die ExpertInnen mit der Untersuchung von Ausdeichungsprojekten. Ziel ist es, konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die die nachhaltige Nutzung dieser Landschaften sicherstellen.

Dem neuen Verbundforschungsprojekt gehören neben der Universität Oldenburg auch die Universitäten Braunschweig, Greifswald, Hohenheim, Lüneburg, Potsdam und Rostock an. Projektpartner sind die Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“ und „Niedersächsisches Wattenmeer“ sowie die University of Aarhus (Dänemark) und das Netherlands Institute of Ecology (Niederlande). (mr)

www.comtess.uni-oldenburg.de

Zehn Millionen Wörter

Liesvelt-Bibel von 1542 im Internet abrufbar

Er war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einer der größten Lieferanten von Bibelübersetzungen in den Niederlanden: Jacob van Liesvelt. 55 ehrenamtliche Mitwirkende haben seine im Jahr 1542 in Antwerpen erschienene Bibel in eineinhalbjähriger Arbeit komplett abgetippt. Die Bibel ist nun im Internet abrufbar. Das Projekt wurde von dem Niederlandisten Drs. Hans Beelen im Rahmen des „Bibeldigitalisierungsprojekts“ koordiniert.

Der Drucker und Verleger Jacob van Liesvelt (geb. um 1498) publizierte 1526 die erste vollständig gedruckte niederländischsprachige Bibel. In den folgenden Jahren erschienen Neuausgaben, die immer mehr reformatorisch geprägt waren. Der letzte Druck des Jahres 1542 wurde dem Verleger zum Schicksal: Er hatte aus der Lutherbibel einige Randbemerkungen übernommen, die besagten, dass des Menschen Seelenheil von Jesus Christus allein herkomme. Aufgrund dieser Marginalien wurde Liesvelt im Jahre 1545 von der Inquisition wegen Ketzerei angeklagt und zum Tode verurteilt.

Die Liesvelt-Bibel des Jahres 1542 mit allen Randnotizen und Illustrationen ist jetzt in digitaler Form vollständig verfügbar. Sie ist die siebte Bibel, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Bibeldigitalisierungsprojekts seit 2007 editiert wurde. Insgesamt wurden bereits mehr als zehn Millionen Wörter transkribiert.

Zuvor wurden u.a. die Delfter Bibel von 1477, das erste gedruckte niederländischsprachige Buch, und die Erstausgabe der Staatenübersetzung (1637) in Angriff genommen. Mit den digitalisierten Bibeln ergibt sich ein immenser Fundus für die Erforschung der niederländischen Sprachgeschichte. Gerade im 16. und 17. Jahrhundert gibt es ein reformatorisch geprägtes Interesse für die Volkssprache als Medium des wahren Glaubens – was mit der Kultivierung der niederländischen Standardsprache durch die Grammatiker der frühen Neuzeit einher geht.

www.bijbelsdigitaal.nl/
www.dbnl.nl

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Gemüsegärten und Wasserexperten

Biologiedidaktikerin untersucht südafrikanisches Bildungssystem

Gemüsegärten beliefern die eigene Schulküche. SchülerInnen werden zu WasserexpertInnen ausgebildet, die täglich den Wasserbedarf der Schule kontrollieren. Glas, Metalle, Papier werden gesammelt und an Recycling-Höfe verkauft. Das sind nur einige Beispiele, die der Oldenburger Biologiedidaktikerin Prof. Dr. Corinna Hößle während ihres Forschungsaufenthalts in Südafrika begegneten. „Man kann auch mit geringen Mitteln, aber großem Engagement in der Schule durchaus viel für eine nachhaltige Lebensweise tun“, lautet ihr Fazit.

Seit Juli führt Hößle an mehreren Schulen in den Townships von Kapstadt und Port Elizabeth Interviews mit südafrikanischen LehrerInnen, die am Primary Science Programm des südafrikanischen Bildungsministeriums teilnahmen. Dabei geht es um Fragen wie: Welches fachdidaktische Wissen haben NaturwissenschaftslehrerInnen in Südafrika zum UN-Weltdekade-Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Vergleich zu deutschen LehrerInnen? Und wie können beide Seiten voneinander lernen?

Hößle wendet sich gegen einen einseitigen Wissenstransfer, nach dem sich das südafrikanische Science Program lediglich am deutschen Bildungssystem zu orientieren hätte. Der deutsche Naturwissenschaftsunterricht kann im Gegenteil viel von Südafrika profitieren. Ihre Studie liefert dazu erste Ergebnisse. So zeigt Hößle auf, dass südafrikanische LehrerInnen, die das zweijährige Programm durchlaufen haben, ein sehr differenziertes ExpertInnenwissen aufweisen und dieses im Unterricht nutzen. „Was das Fachwissen und die schulische Praxis betrifft“, so die Didaktikerin, „stehen die südafrikanischen Lehrer ihren deutschen Kollegen in keiner Weise nach.“

Zusätzlich führte die Biologiedidaktikerin, die Ende Januar nach Oldenburg zurückkehrt, mehrfach Lehrerfortbildungen in Kapstadt durch, um Ergebnisse aus den Projekten „Klimawandel vor Gericht“ und „HannoverGen“ mit südafrikanischen und auch deutschen LehrerInnen zu diskutieren. Der Austausch trug zum Aufbau von Kooperationen mit den Primary Science Project Trägern, der Primrose School in Mitchells Plain sowie der Deutschen Schule Kapstadt bei. (tk)

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Tonnenschwerer Superrechner

Sechs Tonnen wogen die Komponenten der beiden Hochleistungsrechencluster, die im Dezember in der Universität eintrafen. Da die Superrechner nicht in die Lastenaufzüge passten, hievte ein Kran sie in den Maschinensaal der IT-Dienste im dritten Stock des Gebäudes A3. Die beiden „High-Performance Computing Cluster“ (HPC Cluster) bestehen zusammen aus 350 Einzelrechnern mit 4.200 Rechenkernen und 10 Terabyte Arbeitsspeicher. Der erste Großrechner wird von ForWind, dem Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Oldenburg, Hannover und Bremen, genutzt. Er ermöglicht aufwändige Simulationen in der Windenergieforschung und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziert. Das zweite System steht Arbeitsgruppen der Fakultät V und des Departments für Informatik zur Verfügung und wird für komplizierte Simulationen im Bereich der Quantenchemie, der Theoretischen Physik und der Neurowissenschaften eingesetzt. Finanziert wird es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Niedersachsen.

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(Stand: 20.04.2022)