Presse & Kommunikation
Forschung
- Ein neuer Bau für die Forschung
Forschungszentren Neurosensorik und Sicherheitskritische Systeme bald unter einem Dach
- Windenergie effizient „ernten“
Bundesumweltministerium fördert mit 3,8 Millionen Euro Forschung zu Offshore-Windparks
- Armutsrisiken und soziale Ausgrenzung verringern
EU bewilligt Forschungsprojekt „COPE“ / „Mindestsicherung gewährleisten“
Ein neuer Bau für die Forschung
Forschungszentren Neurosensorik und Sicherheitskritische Systeme bald unter einem Dach
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| Die Kupferröhre ist gefüllt: Architekt Till Behnke, Dezernent Meik Möllers, Geschäftsführerin Pleus GmbH Margret Kleinert, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka, Hörforscher Birger Kollmeier, Universitätspräsidentin Babette Simon, Baustellenleiter Reiner Kuhlmann und Oberbürgermeister Gerd Schwandner bei der Grundsteinlegung (v.l.). Foto: Daniel Schmidt |
Die Universität Oldenburg erhält auf dem Campus Wechloy einen neuen Bau für die Forschungszentren Neurosensorik und Sicherheitskritische Systeme, kurz NeSSy. Die Grundsteinlegung am 31. Januar fand in Anwesenheit von Niedersachsens Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, Oldenburgs Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner und zahlreichen Ehrengästen statt.
„Der Forschungsbau NeSSy ist für den Wissenschaftsstandort Oldenburg und für das Land Niedersachsen eine wichtige Investition. Durch die enge Verzahnung von Lebenswissenschaften mit technischen Entwicklungen stärken wir beispielsweise die Neurosensorik und schärfen unser Forschungsprofil auch gegenüber internationaler Konkurrenz“, betont Ministerin Wanka.
Auf 2.000 Quadratmetern wird der Forschungsneubau circa 80 MitarbeiterInnen beste Arbeitsbedingungen bieten. Universitätspräsidentin Prof. Dr. Babette Simon ist überzeugt: „Hier entsteht, quer zu den ‚klassischen’ Fakultäts- und Fachstrukturen, ein gemeinsamer Bau für die beiden national und international anerkannten Forschungsschwerpunkte Neurosensorik und Sicherheitskritische Systeme. Damit werden ausgezeichnete Bedingungen für exzellente Forschung geschaffen.“ Auch für die European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) sei NeSSy von großer Bedeutung: Für die neu zu gründende Medizinische Fakultät bilde die Neurosensorik einen Eckpfeiler.
Im Zuge des bundesweiten Wettbewerbs zum Hochschulbau hatte der Wissenschaftsrat seinerzeit das Bauvorhaben positiv begutachtet. Oldenburg bilde, so das Beratungsgremium, auf dem Gebiet der Hörgerätesysteme bereits heute ein Kompetenzzentrum mit herausragender nationaler und internationaler Ausstrahlung. Die Arbeiten zu Sicherheitseigenschaften für eingebettete Systeme hätten eine überragende und internationale Bedeutung. Beide Forschungsschwerpunkte seien bundes- und europaweit sehr stark vernetzt.
Repräsentiert werden die Forschungsschwerpunkte von dem Physiker und Mediziner Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, dem Neurobiologen Prof. Dr. Reto Weiler und dem Informatiker
Prof. Dr. Werner Damm. Birger Kollmeier ist unter anderem Leiter der Abteilung Medizinische Physik, Sprecher des Zentrums für Hörforschung und des Kompetenzzentrums Hörgeräte-Systemtechnik (HörTech). Reto Weiler, Geschäftsführender Direktor des Forschungszentrums Neurosensorik, leitet die Arbeitsgruppe Neurobiologie. Der Informatiker Werner Damm, Direktor des Forschungszentrums Sicherheitskritische Systeme, ist zudem Sprecher des Sonderforschungsbereichs (Transregio) „Automatic Verification and Analysis of Complex Systems“ (AVACS).
In dem Neubau NeSSy geht es den beiden Forschungszentren Neurosensorik und Sicherheitskritische Systeme künftig darum, interdisziplinäre Grundlagenforschung und angewandte Forschung voranzutreiben und mit einem Konferenzzentrum die Kommunikation zwischen den WissenschaftlerInnen zu unterstützten. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen innovative Entwicklungen der Medizintechnik und der Mensch-Maschine-Kommunikation. Die Hälfte der Nutzfläche ist für Labore vorgesehen: Akustik- bzw. Hör-Labore, ein Virtual Reality/Usability Labor, Neurophysiologie-Labore für Magnetresonanztomographie, Magnetenzephalographie und bildgebende Verfahren. Vier Arbeitsgruppen aus beiden Zentren werden hier Platz finden: die „Medizinische Physik“ und „Signalverarbeitung“ sowie eine Neuro-Psychologie- und eine ingenieurwissenschaftliche Arbeitsgruppe.
Das Stuttgarter Architektenbüro Heinle, Wischer und Partner hat den Neubau entworfen. Die Gesamtkosten inklusive Ersteinrichtung belaufen sich auf circa 15 Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen werden. Die Fertigstellung ist für Juni 2013 geplant. (mr)
Windenergie effizient „ernten“
Bundesumweltministerium fördert mit 3,8 Millionen Euro Forschung zu Offshore-Windparks
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| Rotorblätter des Windparks BARD Offshore 1: Jedes Blatt ist knapp 60 Meter lang und wiegt etwa 28 Tonnen. Foto: BARD-Gruppe |
Einhundert Kilometer nordwestlich von Borkum liegt der Offshore-Windpark „BARD Offshore 1“. Der 400 Megawatt Windpark soll Ende 2013 fertiggestellt sein. 80 Windenergieanlagen versorgen dann auf einer Fläche von 52 Quadratkilometern mehr als 400.000 Mehrpersonenhaushalte mit Strom aus einer regenerativen Energiequelle. „BARD Offshore 1“ ist Ausgangspunkt des Forschungsprojekts „GW Wakes (GigaWatt Nachläufe)“, das mit über 3,8 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gefördert wird. Ziel ist die Erforschung der Windströmungen und Nachläufe in sehr großen Offshore-Windparks mit hundert und mehr Anlagen, um Windenergie auf See möglichst effizient und gut planbar zu „ernten“. Die Forschung in „BARD Offshore 1“ liefert erstmals Daten zu Abschattungsverlusten in einem Offshore-Windpark repräsentativer Größe. Am Projekt beteiligt sind vier Arbeitsgruppen der Oldenburger Physik, die Mitglied von ForWind sind, sowie die Fraunhofer Projektgruppe „Computational Fluid and System Dynamics“ in Oldenburg und die BARD Engineering GmbH, Emden.
„Nachdem die Universität Oldenburg vor einem Jahr neueste Rechnertechnik für aufwendige Strömungssimulationen in der Windenergie erhalten hat, treibt sie jetzt die Forschung im Offshore-Bereich, dem innovativsten Bereich der Windenergie, stark voran. Damit wird die Oldenburger Energieforschung konsequent weiter ausgebaut“, betont Universitätspräsidentin Prof. Dr. Babette Simon.
„Der weitere Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland und in Europa erfordert sehr große Offshore-Windparks mit mehreren Gigawatt Gesamtleistung“, so Projektleiter und Windenergieexperte Prof. Dr. Martin Kühn. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen, denn aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf eine mögliche gegenseitige Beeinflussung großer Offshore-Windparks hin.
Mit den Mitteln des BMU erwirbt das Projekt ein weltweit einmaliges laser-optisches Fernerkundungsgerät. Mit diesem so genannten MultiLIDAR messen die WissenschaftlerInnen Windströmung, Verwirbelungen und Abschattungen von Windenergieanlagen und untersuchen, wie die Nachlaufströmung auf Windparks in der Umgebung wirkt. „Wir arbeiten mit drei räumlich verteilten Lasergeräten, die über synchronisierte Lichtimpulse die Strömungen und Turbulenzen im Umkreis von bis zu acht Kilometern untersuchen“, erklärt Kühn die neuartigen Forschungsmöglichkeiten. Ähnlich wie bei einer modernen Ultraschall-Untersuchung der Blutströmung im Herzen, könne man auf farbig, bewegten Bildern erkennen, wo sich kritische Wirbel und Turbulenzen in den Windparks bilden.
Das Forschungsprojekt wird möglich durch die Kooperation mit der BARD Engineering GmbH, die zurzeit sechs Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht projektiert. BARD unterstützt die Oldenburger WissenschaftlerInnen durch umfangreiche Betriebsdaten und den Zugang zu „BARD Offshore 1“. „Für BARD Engineering und die gesamte BARD-Gruppe sind die Inhalte und Ergebnisse des Forschungsprojekts wesentliche Bausteine für die Planung und Optimierung großer Offshore-Windenergieparks und für die Auslegung der nächsten Generation zukünftiger Windenergieanlagen. Darum ist es uns wichtig, dieses Projekt aktiv zu unterstützen“, erklärt Dr. Daniel Brickwell, Vertriebsleiter der BARD Holding GmbH. (tk)
Armutsrisiken und soziale Ausgrenzung verringern
EU bewilligt Forschungsprojekt „COPE“ / „Mindestsicherung gewährleisten“
Die Zahlen alarmieren: 19 Prozent der Kinder in der EU leben in Armut. 17 Prozent aller Europäer haben nicht genug Mittel, um ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu erfüllen. Das berichtet die Europäische Kommission „Beschäftigung, Soziales und Integration“ auf ihrer Website. Wie dem Problem beikommen? Ein neues internationales Forschungsprojekt an der Universität Oldenburg versucht eine Antwort zu finden.
„Combating Poverty in Europe“, kurz COPE, heißt das Projekt, das die Europäische Kommission mit zwei Millionen Euro fördert. Die Koordination liegt beim Jean Monnet Centre for Europeanisation and Transnational Regulations Oldenburg (CETRO). „Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse, mit deren Hilfe die Mindestsicherung in Europa besser gewährleistet werden kann, so dass weniger Menschen unter der Armutsgrenze leben müssen“, erläutert Prof. Dr. Martin Heidenreich (Foto), Leiter des CETRO und Initiator von COPE. Offizieller Projektstart ist am 1. Februar, die Laufzeit beträgt zunächst drei Jahre.
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Armut ist in Europa weit verbreitet. Im Forschungsprojekt COPE suchen Wissenschaftler nach Lösungen. Foto: photocase |
Die beteiligten ForscherInnen stammen aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Italien, Schweden, Polen und Norwegen. Sie wollen die aktuelle Situation in Europa empirisch untersuchen.
Dafür vergleichen sie nationale Armutspolitiken und Systeme zur Mindestsicherung. Außerdem untersuchen sie die Rolle öffentlicher Einrichtungen, Trägerorganisationen und zivilgesellschaftlicher Organisationen. „Wir möchten ein umfassendes Bild der Teilhabechancen von armen und sozial ausgegrenzten Menschen in Europa zeichnen“, so Heidenreich. „Dabei steht die Frage im Mittelpunkt: Wie können Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II so gestaltet werden, dass sie Armutsrisiken und die soziale Ausgrenzung zum Beispiel von Migranten und Langzeitarbeitslosen verringern?“
In der engen Rückbindung an die Praxis sieht die Europäische Kommission den Vorteil von COPE: „Das Projekt soll nicht allein wissenschaftliche Standards erfüllen, sondern auch den Diskurs über praktische Lösungen flankieren“, sagt Marc Goffart, zuständiger Kommissionsbeamter der EU. „Deshalb begleiten sozialpolitische Akteure unser Forschungsprojekt auf der lokalen, nationalen und europäischen Ebene.“
Schon bald kommen die Projektpartner in Oldenburg zusammen: Ende Februar auf einer Auftaktkonferenz, um die Weichen für die gemeinsame inhaltliche Arbeit der nächsten drei Jahre zu stellen. Es folgen Treffen in regelmäßigen Abständen, bei denen externe Sachverständige beratend zur Seite stehen. Im Januar 2015 endet das Projekt mit einer großen Konferenz in Brüssel. Mal sehen, welche Zahlen die Europäische Kommission dann auf ihrer Website vermeldet. (me)




