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Wolfgang Eber

 

20. Februar 1996   50/96

"Flora und Vegetation der Stadt Oldenburg"

Studie von Prof. Dr. Wolfgang Eber veröffentlicht

Oldenburg. Die von Prof. Dr. Wolfgang Eber (Fachbereich Biologie der Universität Oldenburg) vorgelegte Studie über die Flora der Stadt Oldenburg enthält die Ergebnisse von zwanzig Jahren kontinuierlicher Forschungsarbeit, die anläßlich des Stadtrechtsjubiläums erstmals zusammengefaßt wurden. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Stadt als Lebensraum wildlebender Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften, deren Lebensbedingungen und Geschichte sorgfältig analysiert werden. Die Studie stellt einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Flora Nordwestdeutschlands dar, besitzt aber auch überregionale Bedeutung für die noch relativ junge stadtökologische Forschung. Zugleich liefert sie Aussagen über Grundlagen und Praxis des Artenschutzes.

Die Flora des Stadtgebietes kann mit 708 wildwachsenden Arten als für nordwestdeutsche Verältnisse extrem artenreich bezeichnet werden. Dieser Artenreichtum beruht vor allem auf der Lage der Stadt im Überschneidungsbereich der drei für das norddeutsche Tiefland charakteristischen Landschaftsformen Geest, Moor und Marsch, die jeweils mit beträchtlichen Resten naturnaher oder nur extensiv landwirtschaftlich genutzter Flächen vertreten sind. Dazu kommt noch die für Städte charakteristische Ausstattung mit vom Menschen geschaffenen (anthropogenen) Flächen wie Verkehrswegen (Bahn- und Hafenanlagen, Straßen, Kanälen) und gewerblichen Nutzflächen.

Von den 708 Arten gehören 513 Arten der einheimischen Vegetation an. 195 (27,5 %), also mehr als ein Viertel, sind Zuwanderer oder absichtlich oder unbeabsichtigt eingeschleppt worden. Von diesen Arten entstammen 118 (16,7 %) benachbarten Landschaften wie zum Beispiel dem Wesertal, dem Mittelgebirge oder auch anderen Teilen Mitteleuropas, während immerhin 77 (10,9 %), die sogenannten Neophyten, aus fremden Ländern und zum Teil sogar anderen Erdteilen stammen.

Die Veränderung der Flora ist Ausdruck einer Landschaftsveränderung von der ursprünglichen wald-, moor- und gewässerreichen Naturlandschaft über eine extensiv genutzte bäuerliche Kulturlandschaft zu einer Landschaft mit immer intensiverer Land- und Forstwirtschaft und sich ausdehnenden Wohn-, Verkehrs- und Gewerbeflächen. Arten der natürlichen Vegetation werden zunehmend ausgerottet, wobei dem endgültigen Verschwinden zunächst die kontinuierliche Vernichtung von Lebensräumen und die Reduzierung der Bestände zu nicht mehr lebensfähigen Restpopulationen vorausgeht. Die Roten Listen der gefährdeten Arten halten diesen Vorgang statistisch fest. Dem Rückgang der einheimischen Arten steht das gleichzeitige Eindringen gebietsfremder Arten gegenüber, die erst durch die vom Menschen geschaffenen neuen Lebensräume und die Intensivierung des nationalen und internationalen Verkehrs in Oldenburg Ansiedlungs- und Lebensmöglichkeiten fanden. Diese Neophyten sind daher bis auf wenige Einzelfälle keine Konkurrenten einheimischer Wildpflanzen. Als Besiedler von sonst tristen Problemflächen haben sie vielmehr eine bedeutende landschaftsökologische Funktion für den Erosions-, Boden- und Wasserschutz und sind zudem eine ästhetische Bereicherung des Stadtbildes.

Die Oldenburger Flora enthält mit 136 Arten der Roten Liste (19,2 % des Gesamtartenbestandes) eine Vielzahl von gefährdeten und vom Aussterben (besser: "von der Ausrottung") bedrohten Pflanzenarten in zum Teil noch ansehnlichen Populationsgrößen und naturnahen Ve-getationsresten. Damit liegen in Oldenburg besonders gute Voraussetzungen vor, einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Arten und Lebensgemeinschaften zu leisten, und demgemäß trägt die Stadt auch ein hohes Maß an Verantwortung, diese Möglichkeiten zu nutzen. Die Probleme des Naturschutzes sind immens. Viele der noch verbliebenen Refugien sind bereits zu ghettoartigen Inseln in einem lebensfeindlichen Umfeld geschrumpft und werden weiter durch die zur Mode gewordene, meist jedoch unrealistische Suche nach einer Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie bedroht. Der überwiegende Teil der Lebensräume gefährdeter Arten und Lebensgemei

(Stand: 20.04.2022)