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Hans-Jürgen Brumsack

Jürgen Rullkötter

 

20. Februar 1996   51/96

300 Kilometer in die Erde gebohrt - Tiefseeforscher tagen in der Universität Oldenburg -

Oldenburg. Mehr als 200 Geowissenschaftler aus 13 europäischen Ländern treffen sich vom 28. Februar bis zum 1. März 1996 in der Universität Oldenburg zum 1. EuroColloquium des internationalen Tiefseebohrprojekts "Ocean Drilling Program". Auf der Veranstaltung, die das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausrichtet, werden die Wissenschaftler die Ergebnisse der jüngsten Forschungs-fahrten des amerikanischen Bohrschiffs JOIDES RESOLUTION diskutieren, bei denen es vor allem um das Klima und die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration in der Vergangenheit und um die weitgehend unerforschten Erdgasreserven in der Tiefsee ging. Darüber hinaus sollen Pläne für die weiteren Arbeiten koordiniert werden.

Seit 1968 werden die Meeresböden systematisch mit Bohrungen erforscht. 1000 Bohrlokationen sind seitdem besetzt worden. Würde man die einzelnen Bohrungen aufeinanderfolgen lassen, so ergäbe sich ein Bohrloch von 300 Kilometer Tiefe - entsprechend einem Zwanzigstel des Erdradius. Einzeln sind die Bohrungen nur Nadelstiche, die tiefste drang nur zwei Kilometer in den Meeresboden ein. Dennoch gewannen die Wissenschaftler aus ihnen Hinweise auf gewaltige Massenbewegungen und Schmelzprozesse im Erdinneren, auf die Bewegung der äußeren harten Schale der Erde, der Erdkruste, und auf die Umweltbedingungen der Vorzeit. Nicht zuletzt dienen diese Erkenntnisse der Verbesserung des Erdmanagements, das heißt einer effektiven Nutzung der Ressourcen bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt unseres Planeten.

Seit 1975 gehört auch Deutschland zu den Ländern, die sich an den Forschungsarbeiten beteiligen. Unter der Leitung der USA haben sich ferner England, Frankreich, Japan, ein kanadisch-australisches Konsortium und ein Konsortium von weniger finanzstarken europäischen Ländern zum "Ocean Drilling Program" zusammengeschlossen. Es ist das größte erdwissenschaftliche Programm unserer Zeit. Den deutschen Jahresbeitrag von 2,95 Millionen US-Dollar bringen die DFG und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie gemeinsam auf. Die DFG hat zudem ein Schwerpunktprogramm für die Auswertungsarbeiten eingerichtet, welches von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe koordiniert wird. Durch diese Förderung können sich an jeder der zweimonatigen Kampagnen des Bohrschiffs JOIDES RESOLUTION zwei deutsche Wissenschaftler beteiligen. Im Frühjahr 1995 erhielten mit Prof. Dr. Jürgen Rullkötter und Prof. Dr. Hans-Jürgen Brumsack zwei Wissenschaftler des ICBM eine Einladung für den Fahrtabschnitt 160 in das östliche Mittelmeer.

Öffentlicher Vortrag

Am Vorabend des EuroColloquiums zum internationalen Tiefseebohrprojekt "Ocean Drilling Program", Dienstag, 27. Februar 1996, um 20.00 Uhr im Vortragssaal des Kulturzentrums PFL, wird Prof. Dr. Helmut Beiersdorf von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in einem allgemeinverständlichen Vortrag in die Geheimnisse des Meeresbodens in der Tiefsee einweihen.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen Rullkötter, Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Tel.: 0441/ 9706-359, Fax: 0441 798-3404

(Stand: 20.04.2022)