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Michael Daxner

 

30. April 1996   97/96

Daxner: "Einrichtung der Elektrotechnik zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der Landesregierung machen"

Oldenburg. Erklärung des Präsidenten der Universität Oldenburg, Prof. Dr. Michael Daxner, zur Aussage von Ministerpräsident Gerhard Schröder am 16. April 1996, die Landesregierung wolle den geplanten ingenieurwissenschaftlichen Fachbereich an der Universität Oldenburg jetzt nicht einrichten:

1. Der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen hat am 26. April 1996 in Oldenburg erklärt, daß die Elektrotechnik an der Universität Oldenburg nicht eingerichtet wird. Diese Erklärung kommt völlig unerwartet; die Absicht des Ministerpräsidenten war der Universitätsleitung nicht bekannt. Sie kann auch der Ministerin für Wissenschaft und Kultur nicht bekannt gewesen sein, weil die Universität erst vor kurzem - übrigens auf unseren eigenen Vorschlag hin - von ihr einen Auftrag zur Modifikation unserer Pläne erhalten hat. Dieser Auftrag steht kurz vor der Fertigstellung. Er wird die Hochschulentwicklungsplanung der Universität maßgeblich beeinflussen.

Die Universität hält an der Einrichtung von ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen vor allem in Verlängerung der bereits bestehenden naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Fächer Physik und Informatik fest. Die angestrebten Modifikationen gegenüber den ursprünglichen Plänen werden der wissenschaftlichen Zukunftsperspektive der Universität ebenso gerecht wie unserer Verantwortung für künftige Generationen von Studierenden und unserer Mitbeteiligung an einer nachhaltigen Entwicklung von Stadt und Region.

2. Die Erklärung des Ministerpräsidenten gefährdet die Entwicklung der ganzen Universität. Seit 5 Jahren hat die Planung der Ingenieurwissenschaften erhebliche Ressourcen gebunden; kostspielige Berufungen und Strukturentscheidungen wurden in Hinblick auf diesen Ausbau getätigt und andere Prioritäten nicht rückholbar aufgegeben. Nicht nur die Universität, sondern auch die Region erleidet schweren Schaden, wenn das Vorhaben nicht zügig in die Wege geleitet wird.

Da es immer noch starke Abwanderungstendenzen in die Hochlohnzentren und technologischen Ballungsgebiete gibt, würde ein Verzicht auf hochqualifizierte technische Ausbildung die Gefahr verstärken, daß der Westen Niedersachsens zur technologischen Wüste wird.

Die regionalen Entwicklungsvorhaben in Richtung auf eine leistungsfähige Wissenschaftslandschaft werden ohne die Einrichtung der Elektrotechnik nachhaltig gefährdet. Damit sind unmittelbar auch unsere Partner in Bremen und den Niederlanden geschädigt.

3. Ich protestiere gegen die Festlegung des Ministerpräsidenten. Ich fordere die Landesregierung auf, die revidierten Pläne zur Einrichtung der Elektrotechnik in der vorgesehenen Form zu bestätigen und die Besetzung der beiden Eckprofessuren mit Ausstattung und angemessener räumlicher Unterbringung zum 1.1.1997 zu sichern.

Ich bitte alle maßgeblichen Repräsentanten von Stadt und Region, die Universität in ihrem Ausbau zu unterstützen und die Einrichtung der Elektrotechnik zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der Landesregierung zu machen.

In den nächsten Wochen wird es darauf ankommen, den Ministerpräsidenten auf seine Verantwortung und seine Handlungsmöglichkeiten hinzuweisen. Die Zerstörung eines langen und erfolgreichen Aufbaus kann weder in seinem Interesse noch im Handlungskonzept einer auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ausgerichteten Finanzpolitik liegen. Universitäten sind keine Kostgänger staatlicher Ausgabenpolitik, sondern kulturelle, soziale und ökonomische Strukturfaktoren größter Bedeutung. Eine Entscheidung gegen die Elektrotechnik verhindert die Schaffung neuer Arbeitsplätze, gefährdet die Ansiedlung von innovativen Produktionsstätten in der Region und stellt die Existenz der Universität als leistungsfähige Einrichtung für Forschung, Lehre und Dienstleistung in Frage. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg braucht die Elektrotechnik und sie wird sie einrichten".

(Stand: 20.04.2022)