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Reinhard Pfriem

 

11. November 1997   305/97

"Wie werden die Bösen die Guten?"

Oldenburg. Die Aufgabe, die sich der Oldenburger Betriebswirt Professor Dr. Reinhard Pfriem bei der Vorstellung seines Projekts "Ökologische Unternehmensführung" gestellt hat, ist nicht leicht: "Wie werden die Bösen die Guten?" fragt er sich in der neuesten Ausgabe Nr. 26 des Forschungsmagazins EINBLICKE der Universität Oldenburg. "Die Bösen" sind die Unternehmer. Pfriems These: Mittels ökologischer Unternehmensführung könnten sie bald zu den Guten gehören. Mit einem Augenzwinkern greift Pfriem die alte Klassenkampf-Lyrik auf, während er in seinem Text deutlich macht, wie sich in der Realität die Pole Ökologie und Unternehmensführung in den letzten 30 Jahren angenähert haben.

Pfriem lehrt und forscht seit 1991 an der Universität Oldenburg als Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung und betriebliche Umweltpolitik. Ende der 60er Jahre wäre diese Kombination schwer vorstellbar gewesen. Die Zeit der Studentenbewegung war, so Pfriem, geprägt von der Idee, daß die "Unternehmer als Hauptquelle sozialen Übels fungierten". Ökologie war kein Thema - nicht für die "bösen Industriellen" und auch noch nicht für ihre linken Kritiker.

Erst als sich in den 70er Jahren die Partei "Die Grünen" aus der Naturschutz- und der Anti-Atom-Bewegung herausbildeten, gesellten sich ökologische Bedenken zur allgemeinen Gesellschaftskritik. Zwei Faktoren sorgten dann dafür, daß sich die Pole Unternehmensführung und Ökologie in den 80er Jahren aufeinander zu bewegten.

Zum einen wurde an Beispielen wie China deutlich, daß linke Gesellschaftsentwürfe nicht zwingend mit ökologischem Fortschritt einher gehen. Zum anderen fand in den Unternehmen ein Generationswechsel statt. Die ersten "Guten" sorgten bei den "Bösen" für frischen Wind. Die Volks- und Betriebswirte, die nach der Ära Adenauer studiert hatten, brachten neue Ideen wie das Recycling als Kostensenker in die Chefetagen - die erste Phase ökologischer Unternehmenspolitik.

Die 90er Jahre stellen für Pfriem dann die zweite Phase ökologischer Unternehmenspolitik da. Ökologische Unternehmensführung senkt nicht nur Kosten, sondern gehört für Pfriem unabdingbar zur "langfristigen ökologisch-ökonomischen Erfolgsrechnung." Mittlerweile ist es also im Interesse aller "bösen" Unternehmer, ökologische Ideen umzusetzen, und etliche haben erste Ansätze dazu bereits gemacht. Das macht Pfriem Mut für seine "Ökologische Unternehmensführung": "Dieses Projekt ist zumindest nicht unwahrscheinlicher als vieles andere, was so in die Welt gesetzt wird", schreibt er.

Kontakt: Prof. Dr. Reinhard Pfriem, Institut für BWL I, Tel.: 0441/798-8345 oder -8356, Fax: 0441/798-8341, e-mail:

(Stand: 20.04.2022)