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Walter Siebel

 

6. März 1998   67/98

Forschung über soziale Ausgrenzung am Hanse-Wissenschaftskolleg

Oldenburg. Zu den ersten Fellows des Hanse-Wissenschaftskollegs in Delmenhorst gehört der Sozialwissenschaftler Dr. Martin Kronauer Fellow, der dort seit November letzten Jahres im Forschungsbereich Stadt- und Sozialstruktur tätig ist. Bis Ende August wird er in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Stadtforschung (Institut für Soziologie, Universität Oldenburg) und der Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung Arbeit und Region (Universität Bremen) über das Thema "Die gespaltete Stadt" arbeiten. Kronauer studierte Soziologie, Philosophie und politische Wissenschaft in Heidelberg und Darmstadt. Anschließend lebte und arbeitete er mehrere Jahre in New York, u.a. an der New School for Social Research. Er promovierte an der Freien Universität Berlin. Seit 1987 ist Kronauer am Soziologischen Forschungsinstitut an der Universität Göttingen tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitslosigkeit und ihre individuellen wie sozialen und sozialstrukturellen Folgen, soziale Ungleichheit, international vergleichende Studien zum Thema "Exklusion" und neue städtische "Underclass". Gegenwärtig leitet der Wissenschaftler ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft über die individuellen und sozialen Folgen räumlich konzentrierter Arbeitslosigkeit und Armut in Hamburg.

Während seines Aufenthalts am Hanse-Wissenschaftskolleg wird Kronauer seine Studien zur sozialen Ausgrenzung vertiefen. Ausgangspunkt ist die internationale Diskussion über eine neue Qualität von Arbeitslosigkeit und Armut, die in Europa unter dem Begriff der "Exklusion", in den USA dem der "Underclass" geführt wird. Beide Begriffe bezeichnen eine Spaltung der Gesellschaft in ein 'Innen' und ein 'Außen': Eine wachsende Zahl von Menschen wird an den Rand des Erwerbssystems gedrängt oder ganz von Erwerbsarbeit abgeschnitten, und zugleich geraten diese Menschen zunehmend in anhaltende gesellschaftliche Isolation. Dieses doppelte Problem ökonomischer Marginalisierung und gesellschaftlicher Isolierung macht sich besonders zugespitzt in den Großstädten bemerkbar. Kronauer geht der Frage nach, was neu am Problem (und der Wahrnehmung) von sozialer Exklusion ist, wie Ausgrenzung zustande kommt und wie sie erfahren wird, und welche Folgen Prozesse der Ausgrenzung für die sozialen Grundlagen von Demokratie zeitigen.

Kontakt: Prof. Dr. Walter Siebel, Institut für Soziologie, Arbeitsgruppe Stadtforschung, Fachbereich 3 Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg, Tel. 0441/9706-369, Fax -366, E-Mail:

(Stand: 20.04.2022)