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Jürgen Rullkötter

 

7. Mai 1998   135/98

Von überaus nützlichen Bakterien: Deutsch-israelisch-palästinensisches Forschungsprojekt unter Oldenburger Leitung

Oldenburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Universität Oldenburg mit der Leitung und finanziellen Abwicklung eines deutsch-israelisch-palästinensischen Forschungsvorhabens zur "Reinigung ölverschmutzten Meerwassers durch Cyanobakterienmatten" beauftragt. Unter der Führung von Prof. Dr. Jürgen Rullkötter, Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg, werden sich das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen, die Technische Universität München, die Hebräische Universität Jerusalem und das Institut für Umweltforschung und Umweltschutz in Gaza an dem Projekt beteiligen. Das Forschungsvorhaben mit einem Volumen von 1.6 Millionen DM dient auch der Unterstützung des Friedensprozesses im Nahen Osten, indem es gezielt die Zusammenarbeit zwischen Israel und Palästina fördert und den Palästinensern gleichzeitig die Möglichkeit zur Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur in ihrem Land bietet.

Ausgangspunkt für das Projekt war die überraschende Beobachtung, daß Cyanobakterienmatten auf einzigartige Weise mit der Ölverschmutzung im Persisch-Arabischen Golf nach der Zerstörung der kuwaitischen Ölförderanlagen während der Invasion durch die irakischen Truppen fertig wurden. Cyanobakterienmatten entwickelten sich auch auf den ölverschmutzten Abwässern, die von den Erdölfeldern Nordägyptens in die küstennahen Salzsümpfe gepumpt werden und über den Nil zum Teil auch die Mittelmeerküste vor dem Gaza-Streifen erreichen. Cyanobakterienmatten sind komplexe Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen, die - sehr vereinfacht - im oberen Bereich Sauerstoff atmen und das Licht zur Photosynthese nutzen und im unteren Teil in Abwesenheit von Licht und Sauerstoff von den Stoffwechselprodukten der über ihnen lebenden Organismen profitieren.

Begünstigt wird dieser Austausch durch einen ausgeprägten Tag/Nacht-Zyklus, in dessen Verlauf die Sauerstoffgrenze bei Dunkelheit nach oben wandert und sich bei Sonnenschein wieder in die Tiefe verlagert. Hohe Salzgehalte und eine starke Sonneneinstrahlung sind wichtige Voraussetzungen für das Wachstum der Cyanobakterienmatten. Deshalb beschränkt sich ihr Vorkommen auf der Nordhalbkugel der Erde vorwiegend auf die südlichen Breiten. Obwohl Cyanobakterienmatten schon seit vielen Jahren (in Oldenburg vor allem durch Prof. Dr. Wolfgang E. Krumbein in der Arbeitsgruppe Geomikrobiologie) intensiv untersucht worden sind, sind die Einzelheiten ihrer besonderen Befähigung zum Schadstoffabbau nach wie vor eine wissenschaftliche Herausforderung für MikrobiologInnen, Bio- und GeochemikerInnen.

Für die Durchführung der Untersuchungen werden in der Außenstelle der Universität Jerusalem in Eilat und in Gaza zwei neue Experimentierbecken zur Aufzucht der Cyanobakterienmatten angelegt. Das Probenmaterial wird von dort an die beteiligten Arbeitsgruppen verteilt, die sowohl die biologischen Analysen an lebenden Matten als auch die chemischen Untersuchungen der Mikroorganismen-Inhaltsstoffe und der Abbauprodukte der kontrolliert zugeführten Schadstoffe vornehmen. Während das DFG-Vorhaben vor allem die biologischen und chemischen Grundlagen des Schadstoffabbaus untersuchen soll, gehen die Gedanken für ein Nachfolgeprojekt bereits in Richtung des Aufbaus einer technischen Pilotanlage.

Erste Voruntersuchungen haben nämlich gezeigt, daß die Cyanobakterienmatten außer Erdölkomponenten auch andere Schadstoffe abbauen können. Besonders die an dem Forschungsvorhaben beteiligten Palästinenser sind daran interessiert, Cyanobakterienmatten-Kulturen in der Zukunft gezielt auch zur Reinigung kommunaler, landwirtschaftlicher und industriellen Abwässer einzusetzen. Von den eine Million Menschen im Gaza-Streifen ist nur die Hälfte der Haushalte an eine Abwasserleitung angeschlossen, die andere Hälfte leitet die Abwässer direkt in die umliegende Umwelt mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen besonders für Kinder.

Das Institut für Umweltforschung und Umweltschutz in Gaza ist bereits mit zwei landwirtschaftlichen Vorhaben an dem trilateralen Programm der DFG

(Stand: 20.04.2022)