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18. Mai 1998   146/98

Adorno-Forschungsprojekt an der Universität Oldenburg

Oldenburg. Die intellektuelle Biographie des Philosophen, Soziologen, Musik- und Literaturkritikers Theodor W. Adorno (1903-1969) steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts an der Universität Oldenburg, das seit zwei Jahren läuft und das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt um zwei weitere Jahre verlängert hat. Unter der Leitung des Soziologen Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm (Fachbereich 3 Sozialwissenschaften) wurde zunächst mit Recherchen in Archiven des In- und Auslandes begonnen. Dabei wurde immer deutlicher, welches Wechselverhältnis zwischen zeitgeschichtlichen Erfahrungen und dem theoretischen Denken Adornos besteht.

Als wichtiges Dokument für die Rekonstruktion der Lebensgeschichte erweist sich der umfangreiche Briefwechsel mit Max Horkheimer, Walter Benjamin, Alfred Sohn-Rethel, Herbert Marcuse, Thomas Mann, Alban Berg u.a. Genauere Konturen hat das Bild Adornos als „antibürgerlich denkender Bildungsbürger" durch die Auswertung umfangreicher Interviews gewonnen, die die Forschungsgruppe mit Personen geführt hat, die in engem Kontakt mit Adorno standen.

In bisherigen Publikationen hat die Forschungsgruppe gezeigt, daß die Aktualität Adornos in der Art und Weise der gesellschaftstheoretischen Verarbeitung von historischen Ereignissen besteht. Seine Reflexion zählt zu den Ausnahmeerscheinungen einer politischen Philosophie, die sich dem Grauen der Zeit gestellt hat. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, daß Adorno mit seiner ungewöhnlichen Form der Gelehrsamkeit das intellektuelle Klima der ersten Nachkriegsjahrzehnte maßgeblich geprägt hat.

Ein Arbeitsschwerpunkt der Forschungsgruppe besteht derzeit darin, Adornos Zeitdiagnose gegenwärtigen Deutungen der Moderne gegenüberzustellen. Bis zum 100. Geburtstag des Gelehrten im Jahr 2003 sollen die Grundlagen erforscht sein, um den Zusammenhang von Person und Werk im Kontext der Zeit genauer darzustellen.

Kontakt: Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm, Fachbereich 3 Sozialwissenschaften, Tel. 0441/798-2932, priv. 0441/9736000.

(Stand: 09.06.2021)