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Wolfgang Eber

 

29. Januar 1999   32/99

Die Krebsschere - Blume des Jahres 1998 - in der Wesermarsch akut gefährdet

Oldenburg. Der Bestand der Krebsschere, "Blume des Jahres 1998", ist innerhalb weniger Jahre in der Wesermarsch und in den Bornhorster Wiesen dramatisch zurückgegangen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Arbeitsgruppe Pflanzenmorphologie am Fachbereich Biologie der Universität Oldenburg unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Eber.

Die Krebsschere ist eine Wasserpflanze, die, an der Oberfläche von Gewässern schwimmend, große Bestände ausbilden kann. Sie war in der Naturlandschaft in langsam fließenden Gewässern heimisch und hatte dabei besonders die Altarme der Tieflandflüsse besiedelt. In der heutigen Kulturlandschaft hat sie die in großer Zahl geschaffenen Grünlandgräben als Ersatzlebensraum angenommen. Durch den Ausbau von Gewässern und die Entwässerung von Feuchtgebieten war die Krebsschere in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Nebenflüssen und am Rande der Stromtäler so stark zurückgegangen, daß sie in die Rote Liste aufgenommen wurde. 1998 wurde die Krebsschere von der Stiftung Naturschutz Hamburg und der Stiftung gefährdeter Pflanzen zur Blume des Jahres gewählt. Die Wahl sollte darauf aufmerksam machen, daß mit der Krebsschere und ihrem Lebensraum auch zahlreiche andere Pflanzen- und auch Tierarten gefährdet sind.

In der Wesermarsch wurde von der Arbeitsgruppe der Universität Oldenburg 1985 zum ersten Mal eine systematische Erfassung der Gewässervegetation vorgenommen, bei der die Fundorte aller Arten als Grundlage für eventuelle Nachuntersuchungen genau festgehalten wurden. 1990 erfolgte im Rahmen einer vegetationskundlichen Diplomarbeit von Frank Sinning über die Grabenvegetation der Wesermarsch eine erneute Untersuchung der Verbreitung zahlreicher Sumpf- und Wasserpflanzen. Dabei wurde ein für diesen kurzen Zeitraum auffälliger Rückgang der Krebsscheren deutlich, wie er in einem der Verbreitungsschwerpunkte dieser Art nicht zu erwarten gewesen wäre.

1995 begann Dipl.-Biol. Frank Sinning im Rahmen eines Promotionsvorhabens mit einer ausführlichen Untersuchung über die Bestandssituation der Krebsschere in der Wesermarsch. Dieses Projekt wurde mit Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert. Die Ergebnisse übertrafen alle Befürchtungen: fast 70 Prozent der 1990 festgestellten Vorkommen waren erloschen. Ergänzende Untersuchungen wurden im Naturschutzgebiet "Bornhorster Huntewiesen" in Oldenburg durchgeführt, für das genaue Untersuchungen aus dem Jahr 1986 vorlagen. Auch in diesem Gebiet, in dem die landwirtschaftliche Nutzung durch die Naturschutzverordnung eingeschränkt ist, lag der Rückgang in derselben Größenordnung. Daraus könne man schließen, so Prof. Eber, daß die Intensivierung der Landwirtschaft auf gar keinen Fall der alleinige Verursacher, wahrscheinlich sogar noch nicht einmal der Hauptschuldige an der katastrophalen Bestandssituation der Krebsschere sei. Unter den Ursachen für den bedrohlichen Rückgang spielten Nutzungsänderungen und Eutrophierung sowie die Absenkung des Grundwasserspiegels, also Faktoren, die mit der Intensivierung der Landnutzung verbunden sind, zweifellos eine große Rolle. Entscheidender und wahrscheinlicher seien Umstellungen in der Grabenunterhaltung, die auch im Interesse einer stärkeren Schonung der Wirbeltierfauna (inbesondere Amphibien) vorgenommen wurden.

Die Untersuchungen zur genaueren Aufklärung des Ursachenkomplexes werden in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und den Wasser- und Bodenverbänden fortgesetzt. Es sei unerläßlich, so die Oldenburger Wissenschaftler, den Bestandsrückgang schnell zu unterbinden und eine Erholung und Wiederausbreitung der Krebsscherenbestände einzuleiten, denn mit der Krebsschere würden auch weitere Pflanzenarten und zahlreiche davon abhängige Tierarten im hohen Maße gefährdet.

Kontakt: Prof Dr. Wolfgang Eber, Fachbereich 7 Biologie, Tel.: 0441/798-3337.

(Stand: 20.04.2022)