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1. Februar 2000   33/00

Das Jahrhundert verstehen:Tagung über Hannah Arendt und Theodor W. Adorno

Oldenburg. Vor etwa fünfzig Jahren sind Hannah Arendt und Theodor W- Adorno nach ihrer Vertreibung durch die Nationalsozialisten und ihrer Emigration in die USA erstmals wieder Deutschland und den Deutschen begegnet. Diese zeitliche Markierung ist Anlass, Werk und Biografie zweier deutsch-jüdischer Intellektueller, die zu den herausragenden Zeugen des Jahrhunderts gehören, zum Gegenstand einer Tagung zu machen mit dem Thema "Das Jahrhundert verstehen". Eröffnet wird sie am Donnerstag, 10. Februar 2000, 14.00 Uhr, im Vortragsaal der Oldenburger Universitätsbibliothek mit Vorträgen von Prof. Dagmar Barnouw (Los Angeles), Prof. Alexander Garcia Düttmann (London) und Albrecht Wellmer (Berlin). Die Diskussionsrunden am 11. und 12. Februar finden im Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst statt. Veranstalter sind das Hannah-Arendt-Zentrums (Prof. Dr. Antonia Grunenberg, Prof. Dr. Gerhard Kraiker) und die Adorno-Forschungsgruppe (Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm) am Fachbereich 3 Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg.

Mit der Tagung soll das wachsende Forschungsinteresse an Arendt und Adorno aufgegriffen werden. Für einen Vergleich spricht zudem die Ähnlichkeit der Erfahrungslagen der beiden Intellektuellen: Adorno und Arendt - die sich übrigens persönlich nicht sonderlich schätzten und sich deshalb zeitlebens aus dem Weg gingen - studierten zur selben Zeit in der Weimarer Republik und erlebten den Nationalsozialismus, die Emigration und das Exil. Für beide wurde diese Erfahrung bestimmend für ihr intellektuelles Engagement. Gemeinsam ist beiden auch das Interesse, sich in ihrem gesellschaftstheoretischen Denken Rechenschaft über die Ursachen für den Rückfall in die Barbarei während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu geben. Gerade innerhalb der Versuche von Arendt und Adorno, die neuen Formen totaler Herrschaft zu verstehen, finden sich bisher kaum beachtete Gemeinsamkeiten, ja sich gleichende Formulierungen, die umso erstaunlicher sind, als die jeweilige theoretische Herkunft sich stark unterscheiden.

Im Einzelnen wird es um die Fragekomplexe gehen: Exil und jüdische Identität; Theorien totaler Herrschaft und Theorien der Moderne; Politisches Denken und Gesellschaftsanalyse nach der totalen Herrschaft; Zeitgeschichtliche Analysen der Nachkriegsgesellschaft.

Hinweis: Kürzlich ist in der Reihe "Oldenburger Universitätsreden" das Heft Nr. 118 erschienen: Antonia Grunenberg/Jerome Kohn, "Zur Eröffnung des Hannah-Arendt-Zentrums". BIS-Verlag, Tel. 0441/798-2261, Fax: -4040, E-Mail:

Kontakt: Prof. Dr. Antonia Grunenberg, Hannah-Arendt-Zentrum, Tel. 0441/798-2943,
Fax: -5180, E-Mail:

(Stand: 09.06.2021)