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5. November 2001   327/01

Fritz Heine neuer Ehrenbürger der Universität Oldenburg

Oldenburg. Heute ist in einem Festakt dem 96jährigen Widerstandskämpfer und Verleger Fritz Heine die Ehrenbürgerschaft der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verliehen worden. Sowohl der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement als auch der israelische Gesandte Mordechay Lewy würdigten Heines große Verdienste um die Demokratie. „Männern wie Fritz Heine verdanken wir, dass wir in Deutschland nach dem Krieg überhaupt noch über moralisches Kapital verfügten, auf dem und mit dem eine demokratische, auf innere und äußere Entspannung gerichtete Gesellschaft entstehen konnte“, sagte Clement in seiner Ansprache.

Mit der Ernennung Heines zum Ehrenbürger der Universität Oldenburg werde nicht nur ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus und Antisemitismus gesetzt, sondern auch ein Mann gewürdigt, der 1940/41 in Südfrankreich zahlreichen deutsch-jüdischen Flüchtlingen das Leben gerettet habe, heißt es in der Begründung des Akademischen Senats der Universität Oldenburg für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft.

Heine, der bereits 1987 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zum „Gerechten der Völker“ ernannt wurde, steht mit der Oldenburger Universität seit 1993 in Verbindung. Damals begann der Politikwissenschaftler Dr. Stefan Appelius die Arbeit an seiner Habilitationsschrift über die politische Biographie des weitgehend in Vergessenheit geratenen Heine, der heute in der Nähe von Bonn lebt.

Im Frühjahr dieses Jahres entschloss sich Heine, der Carl von Ossietzky Universität seine Londoner Exil-Korrespondenz als Dauerleihgabe zu überlassen. Damit werden die in der Oldenburger Universität angesiedelten Forschungsprojekte um eine bedeutende Sammlung erweitert. Die jahrelange Verbindung und die großzügige Überlassung dieser für die Exilforschung einzigartigen Dokumente würdigt die Universität Oldenburg durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft.

Bundespräsident Johannes Rau nahm die Verleihung der Ehrenbürgerschaft „mit großer Freude“ zur Kenntnis und beglückwünschte den Senat zu seiner „sehr guten Entscheidung“. Diesen Glückwünschen hat sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, angeschlossen.

Inzwischen hat sich auch eine „Fritz Heine Stiftung“ konstituiert, deren Vorsitz der Oldenburger Oberbürgermeister Dietmar Schütz übernommen hat. Ziel dieser Stiftung ist es, innerhalb der nächsten zwei Jahre ausreichend Kapital zu sammeln, um Studierende der Sozialwissenschaften an der Oldenburger Universität zu fördern. Am 100. Geburtstag des neuen Ehrenbürgers, dem 6. Dezember 2004, soll erstmals ein „Fritz Heine Preis“ für herausragende sozialwissenschaftliche Arbeiten an der Universität Oldenburg vergeben werden.

Kontakt: Dr. Stefan Appelius, Tel.: 0171/5444282,
E-Mail: stefan.appelius@uni-oldenburg.de

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Druckvorlage

(Universitätspräsident Prof. Dr. Siegfried Grubitzsch (l.) übergibt Fritz Heine die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

Fritz Heine (Lebensdaten)

1904 geboren am 6. Dezember in Hannover
1922 Eintritt in die SPD
1925 Beginn eines Volontariats beim SPD-Parteivorstand
1929 Technischer Leiter der Werbeabteilung
1933 Emigration nach Prag
1933-36 Koordinator der sozialdemokratischen Widerstandsaktivitäten im Reich
1938 Umzug nach Paris
1939 Kooptierung in den SPD-Parteivorstand
1940 Flucht nach Marseille, wo Heine als Fluchthelfer tätig ist
1941 Flucht über Lissabon nach London
1942-45 Mitarbeit beim Political Intelligence Department (PID)
1946 Rückkehr nach Deutschland und Wahl in den geschäftsführenden SP

(Stand: 05.02.2021)