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Pressedienst

13. August 2002   227/02

Musikunterricht und Medienkompetenz

Oldenburg. Ein zeitgemäßer Musikunterricht kann ohne neue Medien nicht auskommen und muss auch den Umgang mit Medien thematisieren. Die "Medienkompetenz" der Schüler ist dabei weder besser noch schlechter, sondern "anders" als die der Musiklehrer. Das war, vereinfacht ausgedrückt, die Ausgangshypothese des soeben an der Universität Oldenburg abgeschlossenen, mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Medienkompetenz in der musikpädagogischen Praxis".

Die Forschergruppe unter Leitung der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Martin Stroh und Dr. Randolph G. Eichert führte qualitative Expertenbefragungen und quantitative Befragungen durch. Neben Musikstudenten und Hochschuldozenten nahmen 147 Musiklehrer aus der Weser-Ems-Region daran teil. Fazit: Musiklehrer sind, was die Nutzung moderner Medien betrifft, nicht besonders technik- und medienfeindlich. Im Gegensatz zum privaten Bereich ist die berufliche Mediennutzung jedoch keineswegs musikspezifisch professionell: Für die Unterrichtsvorbereitung dient der Computer in erster Linie als intelligente Schreibmaschine und aus der Vielzahl digitaler musikspezifischer Angebote werden lediglich Programme für das Notenschreiben genutzt.

Eine sehr geringe Rolle spielen die neuen Möglichkeiten des Instrumentierens und Arrangierens sowie der professionellen Musik-Informationsbeschaffung durch Radio, Fernsehen und das Internet. Noch gravierender ist, dass das Wissen um die strukturellen Zusammenhänge und ökonomischen Hintergründe der Medienlandschaft, wie die Erhebung ergab, bei Musiklehrern kaum ausgebildet ist.

Die Medienkompetenz von Musiklehrern wird nach Analyse der Oldenburger Musikwissenschaftler den aktuellen pädagogischen Erfordernissen nicht gerecht, da im Unterricht die medial geprägten musikalischen Interessen der SchülerInnen nicht genügend berücksichtigt und in didaktische und methodische Unterrichtsstrategien übersetzt werden. "Die aktuelle Diskussion um die Verbesserung der Lehrerfortbildung ist", lautet daher das Resümee Strohs, "zwingend durch eine verstärkte Akzentuierung von Handlungs- und Schülerorientierung im Musikunterricht zu ergänzen." Der Umgang mit Medien müsse in alle Bereiche der Musiklehrerausbildung integriert und dürfe nicht in einen Sonderbereich "Medienmusikpraxis" oder einen Studienbereich "Musikbezogene Medienpädagogik" abgeschoben werden. Das zentralistische System der Lehrerfortbildung habe sich als ineffizient erwiesen und müsse durch ein "lokales Fortbildungsnetzwerk der kleinen Schritte" und eine stärkere Integration von Fortbildung in den Musiklehreralltag ersetzt werden. Die Bildung solcher Netzwerke erfordere ein Schulklima, das derzeit unter dem Diktat der "Leistungssteigerung von Schulen" eher verschlechtert als verbessert werde, so Stroh.

Infos: www.uni-oldenburg.de/medienkompetenz

Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Martin Stroh, Tel.: 0441/798- 2314, E-Mail:

(Stand: 25.07.2022)