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31. Oktober 2002   300/02

Gegen den Rufmord an einer nützlichen Spezies - Spinnenkundler treffen sich an der Uni Oldenburg

Oldenburg. ArachnologInnen, wie SpinnenkundlerInnen wissenschaftlich korrekt heißen, beschäftigen sich mit Spinnentieren in ökologischer, taxonomischer und biogeographischer Hinsicht und legen so Grundlagen für die Erstellung der Roten Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Webspinnen, Weberknechten und Pseudokorpionen - die Artenvielfalt der Spinnen ist ausgesprochen groß. Von den über 950 deutschen Spinnenarten kommen etwa 700 in Norddeutschland vor. 325 der deutschen Arten sind mehr oder weniger stark in ihrem Bestand gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Grundwasserabsenkungen, wasserbauliche Maßnahmen wie die Begradigung und Kanalisierung von Flüssen und Bächen, die Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft und andere Eingriffe des Menschen gefährden auch die Spinnen. Besonders bedroht sind Arten, die Feucht- und Trockenstandorte wie Mooren, Trockenrasen und Heideflächen oder kleinräumige bzw. nur kurzzeitig vorhandene Lebensräume wie Schotterbänke an Flüssen und Rohbodenstandorte besiedeln.

Auf Einladung der Arbeitsgruppe Terrestrische Ökologie an der Universität Oldenburg versammeln sich Norddeutschlands SpinnenkundlerInnen am Samstag, 2. November, zu ihrem jährlichen Treffen. Die seit 9 Jahren bestehende Regionalgruppe der Arachnologischen Gesellschaft ist spezialisiert auf die Spinnentiere, die im Norden Deutschlands vorkommen. Bei dem Treffen geht es um Fragen zur Artenvielfalt und um verhaltenskundliche Beobachtungen des zum Teil oft hoch interessanten Sexual- und Brutpflegeverhaltens der Spinnen. Im Vordergrund stehen Vorträge zu biologisch-ökologischen Themen, vorgestellt werden neueste Erkenntnisse zur Spinnenfauna verschiedener norddeutscher Waldgebiete.

Für Norddeutschland liegen vergleichsweise gute Kenntnisse über Spinnentiere auf Äckern und in Trockenbiotopen sowie der Küstenregion vor. Viele Fragen, denen die Spinnenkundler in Forschungsprojekten nachgehen wollen, sind allerdings noch offen: Wie sind die teilweise hochspezialisierten Arten verbreitet? Welche Ansprüche an den Lebensraum und welche Lebenszyklen haben sie? Wie groß sind die Bestände und wie können sie geschützt werden? Die früher in Norddeutschland sehr seltene Wespenspinne beispielsweise kommt heute fast flächendeckend vor. Wieso hat sich ihr Areal derart vergrößert? Verdrängt sie andere Spinnenarten aus deren Lebensräumen? Wie werden sich die Bestände entwickeln? Auch viele Fragen nach den natürlichen Feinden der Spinnen sind ungeklärt. Welche Auswirkungen hat der Einsatz von Giften in der Landwirtschaft auf die Nützlinge? Wie wirkt sich die Klimaveränderung auf die Spinnen aus? Und nicht zuletzt geht es den SpinnenkundlerInnen darum, den unverdienten schlechten Ruf der für das ökologische Gleichgewicht so wichtigen Tiere aufzubessern.

Informationen unter: arages.de

Kontakt: Dr. Oliver-David Finch,
Tel.: 0441/798-3275,
E-Mail:

 

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Spinne des Jahres 2002 - Die Listspinne
Pisaura mirabilis (Clerck, 1757)

 

 

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