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25. November 2004   327/04   Wissenschaftliche Tagung

Gabe und Opfer
Internationale Tagung zur russischen Literatur und Kultur
 

Oldenburg. „Gabe und Opfer in der russischen Literatur und Kultur der Moderne“ ist das Thema einer internationalen Tagung, die vom 2. bis 4. Dezember 2004 im Slavistischen Seminar, Institut für Fremdsprachenphilologien der Universität Oldenburg, stattfindet. Die von den Oldenburger Slavisten Prof. Dr. Rainer Grübel und Dr. Gun-Britt Kohler organisierte Tagung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Die Tagung, an der WissenschaftlerInnen aus fünf Ländern teilnehmen, soll die russische Literatur und Kultur um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach theoretischen Entwürfen, Themen und Motiven befragen, die Wortkunst entweder wie bei Wladimir Majakowski als poetisches Selbst-Opfer oder aber Prosa wie bei Wladimir Nabokov als literarische Gabe entwerfen. Vom russischen Realismus bis zur Sowjetkultur sollen die unterschiedlichen, oft miteinander konkurrierenden theoretischen Entwürfe auf ihre Opfer- oder aber Gabe-Einstellung und die kulturellen Produkte auf ihren damit übereinstimmenden Selbstentwurf befragt werden. Da die russische Kultur der Gegenwart dringlicher noch als andere europäische Kulturen nach einem neuen Selbstverständnis sucht, kommt der Erarbeitung prominenter Modelle der jüngeren Vergangenheit, wie sie die Opfer - Gabe Entwürfe verkörpern, besondere Bedeutung zu. Auch kann ein genaueres Verstehen von Gabe- und Opferpraktiken in der Kultur der Moderne dazu beitragen, schwer begreifliches Verhalten in der Kultur der Gegenwart zu verstehen.

Terroristische Selbstmorde, insbesondere die Zerstörung der New Yorker Zwillingstürme und die Geiselnahme von Konzertbesuchern in Moskau zeugen von der politischen Aktualität der Opferthematik in der Weltkultur der Gegenwart. Der französische Philosoph Jacques Derrida hat dem Gabebegriff seine theoretische Aktualität zurückgegeben, indem er gegen die Aufrechnungslogik der Ökonomen einen Gabe-Begriff stellt, der die Ungleichheit von Gabe und Gegengabe anerkennt. Vor allem in mythischen Kulturentwürfen wiederum kommen als „Opfergabe“ die beiden sich ergänzenden thematischen Teile der Tagung zum Schnitt. Nietzsches Unterscheidung von dionysischer und apollinischer Kultur verläuft nämlich parallel zum Gegensatz von Opfer- und Gabeverständnis der Kultur.

ⓚ Kontakt:
Prof. Dr. Rainer Grübel, Tel.: 0441/798-2058, E-Mail:
 
(Stand: 20.04.2022)