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07. Januar 2009   006/09   Forschung

Neue Strategien des Produzierens und Konsumierens

Oldenburg. „Verantwortung zu übernehmen mit der prinzipiellen Bereitschaft zur ethischen Reflexion, das wird im 21. Jahrhundert zur Frage kultureller Bildung“, so lautet die Grundthese des Oldenburger Hochschullehrers für Allgemeine Betriebswissenschaften Prof. Dr. Reinhard Pfriem in seinem Vortrag „Unsere mögliche Moral heißt kulturelle Bildung. Unternehmensethik für das 21. Jahrhundert“.
Kultur, Bildung und Ethik sind Begriffe, die – so Pfriem – bei 90 Prozent der Ökonomen keinerlei Beachtung fänden. Dabei hätten sich die Grundlagen der Ökonomie dramatisch geändert: Das Versprechen, mehr Lebensqualität durch den Anstieg des Wirtschaftswachstums und der technischen Güterausstattung zu erzeugen, kann nicht mehr eingehalten werden. Die aktuelle Entwicklung verdeutliche, dass der Kapitalismus längst nicht so stabil sei, wie er den Anschein erwecke. Die Zeiten der neoliberalen Option, des „Profitmachens um jeden Preis“, seien vorbei, wie die aktuelle Finanzkrise demonstriere.
„Das über zwei Jahrhunderte bestehende Wohlfahrtsversprechen der Moderne, auf dem die Ökonomie und die Wirtschaftswissenschaften basieren, droht zu einer Ideologie zu verkommen“, so Pfriem. Ein Mehr an materiellem Wohlstand bedeute keineswegs ein Mehr an Glück und Zufriedenheit des einzelnen Individuums. Familie, soziales Umfeld, Arbeit, Gesundheit und persönliche Freiheit seien ebenfalls Faktoren, die sich positiv auf das Glücksempfinden auswirkten – nicht nur der materielle Wohlstand.
Nach Pfriems Meinung hat sich die Beschaffenheit des Kapitalismus selbst geändert: Der Produktionskapitalismus wurde durch einen Konsumkapitalismus abgelöst – eine Entwicklung, die in der Wirtschaftslehre nicht ausreichend Beachtung finde. „Die Maschine muss am Laufen gehalten werden – um jeden Preis“, so Pfriem. „Konsum ist das Gebot der Stunde. Das verdeutlicht auch die derzeitige Forderung nach Konsumgutscheinen.“
Um aus dieser Spirale zu entkommen und um eine neue Sichtweise in die Ökonomie zu integrieren rückt Pfriem den Begriff der Verantwortung ins Zentrum. Verantwortung zu übernehmen bedeute sich der Herausforderung zu stellen, wie man die eigenen Handlungsspielräume nutzen könne, statt anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Verantwortung beginne daher schon außerhalb des moralischen Bereichs im engeren Sinne. Die Ziele, die umgesetzt werden sollten, könnten aber durchaus eine moralische Absicht verfolgen. „Das hat in Deutschland bereits eine Vielzahl an Unternehmen verstanden. Sie schauen nicht nur auf den Profit, sondern auch auf ihre gesellschaftliche Verantwortung“, erklärt Pfriem.
Deshalb plädiert Pfriem in der Theorie auch für eine Interaktionsökonomik, die das interaktive Spiel zwischen Anbietern und Konsumenten angemessen berücksichtigt. Für die Praxis bedeutet das: „Das mögliche positive Veränderungspotenzial in Wirtschaftsgesellschaften liegt in neuen Lebensweisen, also in neuen Strategien der Lebensführung, des Konsumierens und Produzierens.“

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ⓚ Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Pfriem, Tel.: 0441/798-4182, E-Mail: Reinhard.Pfriem(Klammeraffe)uni-oldenburg.de
 
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