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23. April 2009   159/09   Wissenschaftliche Tagung

Von Modetrends unbeeindruckt: Der Herrenanzug
Symposium zum schneiderischen Meisterstück des 18. Jahrhunderts

Oldenburg. Der Herrenanzug: Kein anderes Kleidungsstück weist eine längere modische Kontinuität auf als die schneiderische Meisterleistung des 18. Jahrhunderts. Während die Frauenmode von Saison zu Saison wechselt, ist der Herrenanzug beständig und von Modetrends weitgehend unberührt. In dem Symposium „Evidenz und Ambivalenz des Herrenanzugs“, das vom 7. bis 9. Mai an der Universität Oldenburg stattfindet, nehmen KulturwissenschaftlerInnen den Herrenanzug genauer ins Visier.
Männer in Führungspositionen tragen Anzüge, Frauen haben heute die Wahl zwischen Kostüm und Hosenanzug. Eine Qual der Wahl: Sollen sie Frausein oder Führungsqualität betonen? Und was sagt das über Geschlechter und ihre Rolle in Arbeitsleben, Politik und Gesellschaft aus? Der Herrenanzug ist das Paradebeispiel, wie Moderne, Männlichkeit und Macht miteinander verschränkt werden, so dass sie scheinbar natürlich evident werden.
Seit einigen Jahrzehnten wird die Bedeutung des Herrenanzugs in unterschiedlichen Kontexten aufgegriffen: Die Aneignungen des Anzugs durch Dandys als Künstleruniform, in den 1920ern durch Frauen und in den 1970ern durch Managerinnen und Politikerinnen, sowie durch Lesben, Drag Kings und Transmännern, in Jugendkulturen und in postkolonialen Kontexten sind bisher kaum systematisch untersucht worden. Diese Forschungslücke schließt nun das Symposium, das von der Fakultät III – Sprach- und Kulturwissenschaften in Kooperation mit dem Masterstudiengang „Kulturanalyse: Repräsentation, Performativität Gender“, dem Promotionsstudiengang „Kulturwissenschaftliche Geschlechterstudien“ und dem Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZFG) der Universität Oldenburg veranstaltet wird. Ziel des Symposiums ist die Zusammenführung von kulturwissenschaftlichen, kunstwissenschaftlichen, sozio-politischen, ethnologischen, repräsentationskritischen Forschungen aus einer von Gender und Queer Studies geprägten Perspektive zur Evidenz- und Ambivalenzproduktion des Herrenanzugs. So untersuchen die Oldenburger Kunst- und Kulturwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Silke Wenk und Prof. Dr. Karen Ellwanger, die das Symposium leiten, den Zusammenhang von Herrenanzug und Evidenzproduktion. Der Kostüm- und Bühnenbildner Dr. Thomas Oláh (Universität für angewandte Kunst Wien) geht den ästhetischen Strategien militärischer und ziviler Moden nach. Und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Charlotte Giese (Berlin) erörtert die Frage „Ist der Business-Anzug ein Auslaufmodell?“
Das Symposium, das im Rahmen der „Stadt der Wissenschaft“ stattfindet und von der Gerda-Henkel-Stiftung sowie der Universitätsgesellschaft Oldenburg gefördert wird, bringt DoktorandInnen und PostdoktorandInnen aus deutschsprachigen Universitäten zusammen. Sie haben die Möglichkeit ihre Forschungsansätze und –ergebnisse mit ExpertInnen zu diskutieren. Abgerundet wird das Symposium durch eine Ausstellung und zwei öffentliche Vorträge.
Informationen zum Symposium im Internet.

Folgende Angebote sind für die interessierte Öffentlichkeit im Rahmen des Symposiums ohne Anmeldung zugänglich (Eintritt frei):

Vom 7. bis 31. Mai, Universität Oldenburg (Campus Haarentor, Gebäude A2 Raum 3-324) – Kunstausstellung „Herrenanzug - Ansichten“

Donnerstag, 7. Mai, 20.00 Uhr, Universität Oldenburg (Campus Haarentor, Gebäude A2 Raum 3-321) – Vortrag „Männliche Uniformität: Eine ästhetische Strategie der zwanziger Jahre?“ mit Prof. Dr. Gabriele Mentges (Technische Universität Dortmund)

Freitag, 8. Mai, 20.00 Uhr, Universität Oldenburg (Campus Haarentor, Gebäude A2 Raum 3-321) –Vortrag mit Filmausschnitten „It’s fast, it’s fierce, it’s got a mind of ist own“ mit Patricia Mühr und Norbert Henzel

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(Stand: 20.04.2022)