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06. Mai 2009   183/09   Forschung

Stromkonsum im Privathaushalt von Morgen
Forschung zur „intelligenten Stromversorgung“ an der Universität Oldenburg

Oldenburg. Den Privathaushalten in Deutschland kommt eine tragende Rolle zu, wenn in den kommenden Jahren der Anteil regenerativer Energie erhöht und zugleich der Stromverbrauch spürbar gesenkt werden soll. Diese Auffassung vertritt der Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Raabe in einem Beitrag von „Einblicke“, dem Forschungsmagazin der Universität Oldenburg („Privathaushalte und intelligente Stromversorgung“, in: „Einblicke“ Nr. 49, S. 43-46). Es handelt sich um die aktuelle Ausgabe des Magazins mit dem Schwerpunktthema „Innovationen für Nachhaltigkeit“. Autoren sind u.a. der Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, der frühere Umweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer sowie die Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Pfriem, PD Dr. Klaus Fichter, Prof. Dr. Heinz Welsch und Prof. Dr. Jorge Marx Goméz.
In dem Beitrag von Raabe, der an der Universität eine Professur für Absatz und Marketing innehat, geht es um ein sogenanntes adaptives, d.h. „aktives“ und „angepasstes“ Verbrauchsverhalten im Rahmen neuer, intelligenter Stromversorgungssysteme. Bislang ist die Leistungsfähigkeit des Stromversorgungssystems so ausgelegt, dass entstehende Lastspitzen stets bedient werden können, was den Stromverbrauchern einen nahezu unbeschränkten Zugriff auf Strom sichert – unabhängig von Tageszeit und Abnahmemengen. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis, sowohl im Hinblick auf die Stromtarife als auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen und umweltbezogenen Kosten des notwendigerweise hohen Kraftwerkbestands.
Mit dem Ausbau regenerativer Energiequellen wird diese einseitige Kopplung zunehmend erschwert: Das Energieaufkommen aus Solar- und Windanlagen schwankt stark in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen. Eine Lösung wären „adaptive Verbraucher“, die ihren Stromverbrauch aktiv dem jeweiligen Energieaufkommen anpassen. Dies würde die effiziente Nutzung regenerativer Energie und damit das „Downsizing“ auf Kraftwerksseite unterstützen.
Die Steuerung der Stromnachfrage bei den Abnehmern ist prinzipiell auf steuerungstechnologischer oder auf Basis differenzierter Stromtarife (bzw. einer Kombination beider Maßnahmen) denkbar. So könnten Kühlschränke oder andere Haushaltsgeräte durch den Versorger in ihrer Stromaufnahme gesteuert und deren Energiespeicherfähigkeiten zur Lastverschiebung genutzt werden. Zudem wäre die Einführung variabler Tarife denkbar. Hier ist, so Raabe, die aktive Mitwirkung der Haushalte gefragt.
Bei einer Befragung von 87 ausgewählten Haushalten im Jahr 2007 in der Region Weser-Ems zeigte sich, dass die Verbraucher nur wenig über den eigenen Stromkonsum wissen. Zwar bekundete ein Drittel der Haushalte Unzufriedenheit mit den Stromtarifen, aber nur 13 Prozent konnten ihren aktuellen Tarif nennen. Die Schätzungen der Stromkosten einzelner Geräte variierten z.T. extrem (beim Wäschetrockner z.B. zwischen 10 Cent und 15 Euro pro Trockengang – die tatsächlichen Kosten liegen bei ca. 1,50 Euro). 90 Prozent der Haushalte führen Stromsparmaßnahmen durch (z.B. mit Energiesparlampen), haben aber die faktische Ersparnis in der Regel nicht ermittelt. Hinsichtlich weiterer Einsparpotenziale besteht bei den Befragten weitgehend Unkenntnis.
„Die Umfrage hat auch ergeben, dass die Verbraucher prinzipiell bereit sind, eine adaptive Rolle im Stromversorgungs- und Verbrauchssystem zu übernehmen“, so Raabe. Genaueres soll dazu in einer breit angelegten experimentellen Feldstudie in Cuxhaven mit ca. 220 Haushalten ermittelt werden. Dies geschieht im Rahmen des kürzlich angelaufenen eTelligence-Projekts (www.etelligence.de). „Wir sehen auf jeden Fall ein großes Stromeinsparungspotenzial bei den Privathaushalten, die immerhin ein Drittel des Stroms in Deutschland verbrauchen“, so der Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler.

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ⓚ Kontakt:
Prof. Dr. Thorsten Raabe, Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Tel.: 0441/798-4176,E-Mail: thorsten.raabe(Klammeraffe)uni-oldenburg.de
 
(Stand: 20.04.2022)