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10. Juni 2011   225/11  

Hilfe für nicht sprechende Menschen im Nordwesten
Zweiter Runder Tisch setzt sich für die Schaffung von Beratungsstellen ein

Oldenburg. Bereits zum zweiten Mal fand der von der Oldenburger Sonderpädagogin Prof. Dr. Andrea Erdélyi initiierte Runde Tisch „Beratungsstellennetzwerk für Unterstützte Kommunikation und Unterstütztes Schreiben“ an der Universität Oldenburg statt. Im Mittelpunkt stand die Situation der ca. 3.700 Menschen im Weser-Ems Gebiet, die nicht oder nur schwer verständlich sprechen können – sei es durch eine Behinderung, einen Unfall oder eine Erkrankung. Wie eine flächendeckende Implementierung von Beratungsstellen für Unterstützte Kommunikation und Unterstütztes Schreiben erreicht werden kann, diskutierten u.a. VertreterInnen der Niedersächsischen Sozial-, Kultus- und Wissenschaftsministerien, der Landesschulbehörde sowie der Freien Wohlfahrtspflege mit WissenschaftlerInnen der Universitäten Oldenburg und Hannover.
„Die Bestandsaufnahme fällt zunächst einmal positiv aus“, erklärt Erdélyi. Seit dem ersten Runden Tisch im vergangenen Jahr habe sich an einer Reihe von Schulen und Einrichtungen der Behindertenhilfe viel getan. So konnten sich einige Fachleute dank des derzeitigen Beratungsstellennetzwerks aus ihrem Einzelkämpferdasein befreien. „Dies war nur möglich durch das große Engagement der Experten und die Unterstützung durch ihre Träger“, betont die Sonderpädagogin.
Auch die Ausbildung von qualifiziertem Personal hat sich seit dem letzten Jahr verbessert. Beispielsweise können Oldenburger Studierende der Sonder- und Rehabilitationspädagogik ein zertifiziertes Modul zur Unterstützten Kommunikation absolvieren. In der universitätseigenen Beratungsstelle werden sie praxisnah in ihre Beratungstätigkeit eingeführt. In Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen – Fachschulen, Fort- und Weiterbildungseinrichtungen, Universitäten und Hilfsmittelfirmen – sind zudem verschiedene Fort- und Weiterbildungsangebote entstanden.
Bei dem Runden Tisch wurden jedoch auch die noch bestehenden Defizite bei der Unterstützung nicht sprechender Menschen deutlich. Weitere Beratungsstellen seien dringend notwendig, so Erdélyi. Die niedersachsenweit einzige Beratungsstelle zur Unterstützten Kommunikation an der Universität Oldenburg sei bis Dezember ausgebucht und führe eine Warteliste, die in das nächste Jahr hineinreiche.
„Wir benötigen für unsere Vorhaben dringend die Unterstützung durch die zuständigen Ministerien, sonst drohen die ersten positiven Entwicklungen wieder verloren zu gehen“, sagte Erdélyi. Zumal sich die Bundesrepublik Deutschland mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention am 24. Februar 2009 verpflichtet habe, Maßnahmen zu ergreifen, damit Fachleute eingestellt und geschult würden und behinderte Menschen die passenden Kommunikationshilfen erhielten. „Es ist unsere Pflicht, dass auch nicht sprechende Menschen gleichberechtigt an Bildung und Gesellschaft teilhaben können“, so die Sonderpädagogin. Daran bemesse sich der Wert unserer Gesellschaft.

ⓘ www.sonderpaedagogik.uni-oldenburg.de/
 
ⓚ Kontakt:
Prof. Dr. Andrea Erdélyi, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik, Tel.: 0441/798-4753, E-Mail: andrea.erdelyi(Klammeraffe)uni-oldenburg.de
 
(Stand: 20.04.2022)