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20. Juli 2015   306/15   Forschung / Studium und Lehre

Kleine Forscher erkunden Erwachsenenwelt der Wissenschaft: So erleben Kinder „ihre“ Kinderuni
Oldenburger Dissertation bietet wissenschaftliche Analyse

Oldenburg. In Vorlesungen der Kinderuniversität gehören für die teilnehmenden Mädchen und Jungen Information und Erlebnis zusammen. So lautet eines der Ergebnisse einer an der Universität Oldenburg entstandenen Dissertation. Die Autorin Dr. Nadine Hüllbrock hat die Oldenburger Kinderuni seit deren Anfängen 2004 als Praktikantin während ihres Studiums der Medienwissenschaft begleitet und ist heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik tätig. Sie hatte beobachtet, dass Kinderuniversitäten mit unterschiedlichen Konzepten deutschland- und europaweit in den vergangenen Jahren großen Zulauf erlebten, fundierte wissenschaftliche Analysen dazu jedoch rar sind. Daher wählte sie „Die Wissenschaftsvermittlung in Kinderuniversitäten“ als Thema ihrer interdisziplinär angelegten Doktorarbeit in Medienwissenschaft und Pädagogik.
Die Studie, für die Hüllbrock vier Vorlesungen beobachtete, 680 Fragebögen auswertete und darüber hinaus 15 Kinder in qualitativen Interviews befragte, gab unter anderem Aufschluss über die Motivation der Kinder für ihre Teilnahme an den Vorlesungen. Neben der Wissbegierde und der Lust am Erleben teilen die acht- bis zwölfjährigen Befragten dabei das Bedürfnis, sich die Erwachsenenwelt zu erschließen. So beschreibt ein Elfjähriger, dass er dank der Fachbegriffe aus der Kinderuni besser an Gesprächen der Erwachsenen teilhaben könne. Eine Neunjährige schätzt besonders, dass die Kinderuni eben nur für den Nachwuchs veranstaltet werde: Sie wisse anschließend etwas, „weil es nur was für Kinder ist“. Sich abgrenzen zu können von den Erwachsenen und – zum Beispiel im Hörsaal mit bis zu 800 Kindern – Autonomie zu erleben, zählen ebenfalls zu den Bedürfnissen des jungen Teilnehmerkreises.
Besonders würdigen die Kinder es zudem, wenn sie sich aktiv einbringen können: In den Vorlesungen etwas fragen, bei Experimenten assistieren oder in Theaterszenen mitspielen – das wird an eingesetzten Medien und Methoden hoch geschätzt und dürfte ihrer Meinung nach noch mehr Raum einnehmen. Folgerichtig wünschen sich einige Kinder von den DozentInnen, sie möchten sich in ihrem Vortrag noch stärker auf die wichtigsten Informationen beschränken – dabei allerdings andererseits Versuche gründlicher erklären.
Hüllbrocks Dissertation hinterfragt, wie wissenschaftliches Wissen und Metawissen über Wissenschaft vermittelt werden, ob sich die Interessen der Kinderuni-Besucher entwickeln und inwieweit die Kinder das Erlebte nach den Vorlesungsbesuchen kommunikativ aufarbeiten können. Sie beleuchtet auch das Dilemma, dass eine Kinderuni nicht alle Kinder erreichen und daher anders als die Schule Inhalte nicht in der Folge vertiefen kann. Synergieeffekte könnte ihrer Studie zufolge etwa eine Kooperation von Kinderuniversitäten mit Ganztagsschulen zeitigen, die ihrerseits an einer Vernetzung ins außerschulische Umfeld arbeiten. Eine weitere Chance böten Seminar- und Workshop-Angebote mit universitären Partnern im Anschluss an die Vorlesungen. Aber auch mit Kooperationen außerhalb des Campus, wie mit dem Theater, ließen sich Inhalte vertiefen und die Kommunikation mit den Kindern weiter intensivieren.

„Die Kinderuni im Praxistest. Medien und Methoden zur Wissenschaftsvermittlung aus Sicht der Kinder“ von Nadine Hüllbrock ist im Schneider Verlag erschienen (ISBN: 978-3-8340-1448-1) und kostet 28,00 Euro.

ⓘ www.kinderuni-oldenburg.de
www.uni-oldenburg.de/paedagogik
 
ⓚ Kontakt:
Dr. Nadine Hüllbrock, Tel.: 0441/798-2781, E-Mail: nadine.huellbrock(Klammeraffe)uni-oldenburg.de
 
(Stand: 09.06.2021)