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24. Januar 2017    024/17    Wissenschaftliche Tagung / Veranstaltungsankündigung

„Achsenzeit“: Geschichtsphilosophie im Zeichen der Globalisierung

Ausstellung und Symposion an der Universität – Eröffnung am 2. Februar

Oldenburg. Sie liegt lange zurück und steht für eine neue Perspektive auf die Weltgeschichte: die vom Philosophen und Psychiater Karl Jaspers so genannte „Achsenzeit“, also die Zeit von circa 800 bis 200 vor Christus. Jaspers sah diese als Schlüsselperiode für die Kultur- und Geistesgeschichte der Menschheit an, als Periode der Umwälzungen, die unabhängig voneinander Okzident und Orient, Süd- und Ostasien erfassten. Dieser Denkfigur einer „Achsenzeit“ widmet sich ein gleichnamiges Projekt an der Universität Oldenburg in Kooperation mit der Karl Jaspers-Gesellschaft und der Karl-Wilhelm-Heyse-Gesellschaft (Oldenburger Freunde der Antike). Am 3. und 4. Februar findet dazu im Saal der Universitätsbibliothek (Campus Haarentor, Uhlhornsweg 49-55) ein öffentliches Symposion mit Experten aus dem In- und Ausland statt. Den offiziellen Auftakt bildet am Donnerstag, 2. Februar, die Eröffnung einer dortigen Kunstausstellung um den siebenteiligen, monumentalen Achsenzeit-Zyklus des Künstlers Sigmar Polke (1941-2010). Ab 19.30 Uhr führen der Oldenburger Althistoriker und Mitorganisator Prof. Dr. Michael Sommer und die Kunsthistorikerin Dr. Monica Meyer-Bohlen in die Ausstellung ein. Es liest die Schauspielerin Elfi Hoppe. Die Ausstellung ist bis einschließlich 8. März im Foyer der Bibliothek zu deren Öffnungszeiten zu sehen: montags bis freitags von 8.00 bis 24.00 Uhr, an Wochenenden zwischen 10.00 und 19.00 Uhr. 

Die Denkfigur der „Achsenzeit“ stellte der in Oldenburg geborene Jaspers (1883-1969) erstmals 1949 in seinem Buch „Vom Ursprung und Ziel der Geschichte“ dar. Sowohl die eurasischen Zivilisationszentren Okzident (Mittelmeerraum) und Orient (Ägypten, Israel, Mesopotamien, Persien) als auch Süd- und Ostasien (Indien und China) brachten demnach Innovationen hervor: technologisch, geistig und politisch. Sie konstituierten, so Jaspers, eine welthistorische „Achse“, die die Voraussetzungen für die künftige Geschichte – und damit die Moderne – erst geschaffen habe. Demzufolge fußten die großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam ebenso in der Achsenzeit wie auch moderne Vorstellungen von Bildung, Recht und Gerechtigkeit.

Obwohl viele der Prämissen, auf denen das Modell der Achsenzeit beruht, inzwischen nicht mehr haltbar seien, so Althistoriker Sommer, markiere Jaspers‘ Geschichtsphilosophie doch die Überwindung der bis dahin vorherrschenden eurozentrischen Perspektive. „Damit zeigt sie eine Öffnung zur Globalgeschichte, wie sie dringend geboten zu sein scheint, wollen wir die Entwicklungen des letzten Vierteljahrhunderts bis heute verstehen“, betont Sommer.

Der Althistoriker zählt auf dem Symposion ebenso zu den Referenten wie der Oldenburger Philosoph und Mitorganisator Prof. Dr. Matthias Bormuth, Heisenberg-Professor für Vergleichende Ideengeschichte und Vorsitzender der Karl Jaspers-Gesellschaft, sowie weitere Experten etwa aus Bergen, Brüssel, Heidelberg, Wien oder Graz. Näheres zum Symposion, an dem Interessierte ohne Anmeldung teilnehmen können, findet sich online unter   

Weblinks

Kontakt

Prof. Dr. Michael Sommer, Tel.: 0441/798-4647, E-Mail:

(Stand: 09.06.2021)