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Andrea Erdelyi

Ingeborg Thümmel

28. Juni 2018   204/18    Forschung

Selbstbestimmte Zukunftsplanung

Forschungsprojekte unterstützen Schülerinnen und Schüler mit geistiger Beeinträchtigung beim Einstieg in die Berufswelt

Oldenburg. Der Übergang von der Schule zum Beruf ist für viele Jugendlichen eine schwierige Phase. Das gilt besonders für Heranwachsende mit geistiger Beeinträchtigung, die sprachlich nur eingeschränkt  kommunizieren und somit ihre eigenen Wünsche nicht ausdrücken können. An diese Gruppe richtet sich ein jetzt bewilligtes Projekt der Universität Oldenburg unter Leitung von Prof. Dr. Andrea Erdélyi und Prof. Dr. Ingeborg Thümmel vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unterstützt das Forschungsprojekt „Teilhabe im Transitionsprozess“ (TiT) in den kommenden drei Jahren mit rund 450.000 Euro. Die insgesamt 14 Projektpartner – darunter sechs Schulen, die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg, die Stadt Oldenburg und die Industrie- und Handelskammer – wollen zum Beispiel Kommunikationsformate entwickeln, über die betroffene Jugendliche ihre Wünsche und Bedürfnisse mitteilen können.

„Wichtig ist uns, Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und eingeschränktem Sprachvermögen überhaupt zu fragen, welche Berufswünsche sie haben und ihnen so den Zugang zum Arbeitsleben zu erleichtern“, beschreibt Erdélyi das Hauptziel des Projekts. Bislang wechseln Jugendliche mit eingeschränktem Sprachvermögen nach der Schule meist in Werkstätten für behinderte Menschen oder Tagesförderstätten. Erdélyi und Thümmel ermittelten in einem Vorgängerprojekt, dass mehr als ein Viertel der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen mit dem Schwerpunkt motorische und geistige Entwicklung sprachlich so beeinträchtigt sind, dass sie bei der Berufswahl nicht nach ihren eigenen Wünschen gefragt werden. Die Forscherinnen entwickelten daher Hilfsmittel, um diese Jugendliche zu erreichen, etwa Kommunikationstafeln mit Piktogrammen oder so genannte „Ich-Bücher“. Dabei handelt es sich um selbst gestaltete Mappen oder Kladden, mit denen sich Jugendliche mitsamt ihrer Vorlieben, Stärken, Interessen und Charakterzüge vorstellen. „Die Ich-Bücher helfen den Heranwachsenden einerseits dabei, mit anderen ins Gespräch zu kommen, sind aber andererseits auch eine Informationsquelle“, berichtet Thümmel. Kommt ein Jugendlicher mit sprachlicher Beeinträchtigung in eine neue Umgebung, hilft das Ich-Buch den neuen Bezugspersonen dabei, ihn kennenzulernen und mit ihm in Kontakt zu treten.

In ihrem neuen Projekt wollen Erdélyi und Thümmel die Kommunikationshilfen weiterentwickeln und langfristig an den beteiligten Schulen etablieren. Dazu haben sie eine Stichprobe von 20 Schülerinnen und Schülern aus sechs Schulen in Oldenburg, Edewecht, Leer, Friesoythe und Osterholz-Scharmbeck ausgewählt. Die Teilnehmer sollen unter anderem Praktika in verschiedenen Berufsfeldern durchführen, die sie selbst auswählen – etwa in den Bereichen Haushalt, Gärtnerei oder Hol- und Bringdienst. Das Forschungsteam begleitet die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte über drei Jahre und wertet die Wirksamkeit der Maßnahmen anhand von Fragebögen und Videoaufzeichnungen aus.

In einem zweiten Projekt arbeiten die Universität Oldenburg und weitere Partner des Projekts TiT unter Leitung des Oldenburger Software-Unternehmens Targis daran, die Chancen für Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern. Ziel dieses Vorhabens ist es unter anderem, Barrieren in Betrieben abzubauen, die bislang die Integration von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen erschwert haben. Für das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Projekt „Selbstbestimmung und Teilhabe für Alle in Berufswahl und Berufsbildung“ (STABIL) erhält die Universität Oldenburg knapp 300.000 Euro.

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Prof. Dr. Andrea Erdélyi, Tel.: 0441/798-4753, E-Mail:

(Stand: 20.04.2022)