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19. Juli 2018   216/18    Forschung

Konflikte zwischen Technik und Gesellschaft lösen

Deutsch-amerikanisches Projekt zur menschengerechten Gestaltung von cyber-physischen Systemen startet

Oldenburg. Die Informationstechnologie wird das Leben der Menschen schon bald fundamental verändern – davon sind Experten überzeugt. Wie autonome Fahrzeuge, intelligente Energienetze oder industrielle Fertigungsprozesse gestaltet werden müssen, damit Menschen und Maschinen gut zusammenarbeiten, untersucht ein deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt unter Beteiligung der Universität Oldenburg in den kommenden 18 Monaten. Unter dem Titel „Science of Design for Societal-Scale Cyber-Physical Systems“ arbeiten  die Forscher daran, dass sogenannte cyber-physische Systeme sich zukünftig an unterschiedliche soziale Normen anpassen werden.  Von Oldenburger Seite sind die Informatiker Prof. Dr. Werner Damm, Prof. Dr. Martin Fränzle, Prof. Dr. Frank Köster, Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Dr. Andreas Lüdtke und der Psychologe Prof. Dr. Jochem Rieger beteiligt. Sie arbeiten zusammen mit Partnern vom DLR Institut für Verkehrssysteme in Braunschweig und der Universität München sowie von zwei US-Universitäten. Der deutsche Projektanteil wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst mit 600.000 Euro gefördert.

Intelligente Geräte wie autonome Fahrzeuge oder Maschinen in einer Fabrik werden in Zukunft immer stärker zusammenarbeiten und sich zu umfassenden Systemen verbinden. Experten nennen diese Verbünde cyber-physische Systeme. Solche Systeme, zum Beispiel intelligente Stromnetze oder Netzwerke selbstfahrender Autos, haben das Potenzial, die Gesellschaft grundlegend zu transformieren. Gleichzeitig können gesellschaftliche Konflikte entstehen, wenn die Technologien sich nicht den menschlichen Bedürfnissen anpassen oder sich entgegen geltender Werte und Normen verhalten.

Die Vorstellungen davon, welche Werte wichtig sind und welche Normen gelten sollten, können von Land zu Land variieren. Dazu zählen vergleichsweise einfache Fragen zum Kooperationsverhalten wie: Soll mein Auto die Spur wechseln, damit ein anderes Auto leichter einfädeln kann, auch wenn es dafür abbremsen muss und ich später ans Ziel komme? Hinzu kommen komplexere Fragestellungen in Dilemma-Situationen, wenn beispielsweise ein Unfall nicht mehr zu vermeiden ist, aber seine Folgen noch beeinflusst werden können: Soll das Auto alle möglichen Aktionen ausführen, um die Unfallfolgen für mich zu minimieren – selbst wenn sie dadurch für andere Verkehrsteilnehmer steigen? Das Forscherteam will verhindern, dass unterschiedliche Normen fest in neue Technologien wie das autonome Fahren integriert werden müssen. „Das gleiche autonome Auto soll sich sowohl in Deutschland als auch in den USA an die jeweils bestehenden Werte und Bedürfnisse der Nutzer anpassen können“, betont Ko-Projektleiter Damm.  

Die deutschen Forscher setzen zwei inhaltliche Schwerpunkte. Sie wollen zum einen im Detail untersuchen, wie cyber-physische Systeme so entwickelt werden können, dass sie sich an menschliche Bedürfnisse und an unterschiedliche Wertesysteme  anpassen können. „Ein Passagier in einem selbstfahrenden Auto darf sich nicht fühlen wie in einer Achterbahn, mehr noch: er sollte zu keinem Zeitpunkt durch Aktionen des Autos überrascht werden“, so Damm. Hierzu entwickeln die Oldenburger Forscher eine Design-Methodik und führen Untersuchungen zur Mensch-Maschine-Interkation und –Kooperation durch. Zum anderen befassen sich die Wissenschaftler mit der Frage, wer die Verantwortung trägt, wenn  durch ein solches System, in dem Menschen und autonom handelnde technische Systeme kooperativ handeln, ein Schaden entsteht.

An dem interdisziplinären Projekt sind Soziologen, Kognitionspsychologen, Informatiker und Ingenieure beteiligt. Die Forscher konzentrieren sich dabei auf drei verschiedene Bereiche, nämlich miteinander vernetzte autonome Fahrzeuge, intelligente Energienetze und unbemannte Fluggeräte. Zu dem Programm gehört auch ein Studentenaustausch. Aktuell befinden sich sechs amerikanische Studierende in Oldenburg und Braunschweig. Fünf Oldenburger Studierende werden acht Wochen lang an den Universitäten in Nashville und Berkeley forschen.

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Jürgen Niehaus, Tel.: 0441/977-503, E-Mail:

(Stand: 20.04.2022)