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9. April 2020   070/20    Forschung / Personalie

Literaturwissenschaft und Turbulenzforschung: Haimo Stiemer und Michael Sinhuber erhalten Ossietzky-Fellowship

Universitätseigenes Förderprogramm

Oldenburg. Der Germanist Dr. Haimo Stiemer und der Physiker Dr. Michael Sinhuber haben für ihre Forschung jeweils ein „Carl von Ossietzky Young Researchers‘ Fellowship“ der Universität Oldenburg erhalten. Damit haben die jungen Wissenschaftler Gelegenheit, ihre akademische Karriere voranzutreiben und eigene Forschungsmittel einzuwerben, beispielsweise für das renommierte Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Unser universitätseigenes Förderprogramm hat sich als hervorragendes Instrument erwiesen, um exzellente junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Entwicklung ihrer wissenschaftlichen Eigenständigkeit zu unterstützen und ihnen damit den Weg zu einer frühzeitigen Nachwuchsgruppenleitung zu eröffnen“, sagte Prof. Dr. Martin Fränzle, Vizepräsident für Forschung und Transfer.

Haimo Stiemer, der in Bremen, Oldenburg und Potsdam Germanistik und Sozialwissenschaften studierte und 2019 am Institut für Niederlandistik der Universität Oldenburg promovierte, wird sich in seinem Projekt mit deutschsprachigen Literaturzeitschriften aus der Zeit zwischen 1680 und 1970 beschäftigen. Sein Ziel ist es, mithilfe digitaler Methoden die historische Entwicklung dieser Publikationen zu beschreiben. Dabei untersucht Stiemer nicht nur, welche literaturtheoretischen Debatten in diesen Zeitschriften geführt wurden. Er möchte auch herausfinden, welchen Einfluss diese auf den Literaturbetrieb und die literarischen Schreibweisen hatten.

Theoretische Grundlage für Stiemers Forschung ist die Feldtheorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu. Sie basiert auf der Grundannahme, dass einzelne gesellschaftliche Bereiche, etwa die Literatur, niemals nur für sich stehen, sondern von anderen Feldern, etwa Wirtschaft und Politik, beeinflusst werden. Konkret möchte Stiemer beispielsweise untersuchen, wie Verleger literaturtheoretische Debatten beeinflussten, etwa indem sie eigene Artikel in Literaturzeitschriften platzierten.

Perspektivisch möchte Stiemer mit seiner Nachwuchsgruppe die Literaturentwicklungen verschiedener Länder miteinander vergleichen. „Mit einem Forschungsansatz, der quantitative und qualitative Analysemethoden gleichermaßen umfasst, kann Haimo Stiemer mit seiner geplanten Arbeitsgruppe in Zukunft Resultate vorlegen, die internationale Aufmerksamkeit in der Literaturwissenschaft versprechen“, betont der Oldenburger Niederlandist Prof. Dr. Ralf Grüttemeier, in dessen Arbeitsgruppe Stiemer tätig ist.

Der Physiker Michael Sinhuber widmet sich in seinem Forschungsvorhaben der Frage, wie sich kollektive Systeme verhalten, wenn eine äußere Störung auf sie einwirkt. Konkret wird es insbesondere um Windparks und turbulente Luftströmungen gehen. Der Forscher bringt dabei Erfahrungen aus zwei verschiedenen Bereichen der Physik ein: In seiner Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen beschäftigte sich Sinhuber mit Turbulenzforschung. Als Postdoktorand an der amerikanischen Stanford University im US-Bundesstaat Kalifornien untersuchte er hingegen das kollektive Verhalten von Insektenschwärmen. Sinhubers Ziel ist es, Konzepte und Methoden aus beiden Feldern zusammenzubringen, um Windparks, aber auch andere kollektive Systeme wie zum Beispiel Schwärme von Robotern oder fliegenden Drohnen besser zu verstehen.

Die Idee hinter seinem Vorhaben besteht darin, kollektive Systeme physikalisch nicht als Summe ihrer Einzelteile zu betrachten, sondern als Ganzes – und Modelle aus anderen Bereichen der Physik zu nutzen, um sie zu beschreiben. Während seiner Zeit an der Stanford University wies Sinhuber beispielsweise nach, dass Schwärme tanzender Mücken ähnlichen Gleichungen gehorchen wie Gase. Mit Hilfe dieser Vorgehensweise will Sinhuber herausfinden, wie kollektive Systeme auf Störungen reagieren – ein Problem, bei dem klassische Methoden häufig falsche Ergebnisse liefern.

Der Nachwuchswissenschaftler wird gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Turbulenz, Windenergie und Stochastik“ (TWIST) von Prof. Dr. Joachim Peinke im turbulenten Windkanal des Zentrums für Windenergieforschung (ForWind) der Universität Oldenburg die Wechselwirkung zwischen einem Windpark und starker Turbulenz untersuchen. In einem zweiten Experiment mit einem Wasserkanal plant er, grundlegende Informationen darüber zu sammeln, wie sich Gruppen von Teilchen in einer turbulenten Strömung verhalten. Mit Verfahren des maschinellen Lernens will er anschließend Gleichungen finden, um die untersuchten Systeme zu beschreiben. „Michael Sinhuber besitzt außergewöhnliche experimentelle und analytische Fähigkeiten und passt mit seinem wissenschaftlichen Werdegang optimal in die Energieforschung der Universität Oldenburg“, betont Peinke.

Die Universität hat das Carl von Ossietzky Young Researchers‘ Fellowship seit 2013 bislang an sieben herausragende Postdoktorandinnen und Postdoktoranden verliehen.

Weblinks

Bilder

  

Dr. Haimo Stiemer. Foto: Universität Oldenburg/Daniel Schmidt

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Dr. Michael Sinhuber. Foto: Privat

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Kontakt

Dr. Haimo Stiemer, Tel: 0441/798-2045, E-Mail: haimo.stiemer@uol.de

Dr. Michael Sinhuber, Tel: 0441/798-XXXX, E-Mail: michael.sinhuber@uol.de

Presnvvise & Kodvovmma5unikatiop5an (presse54@uol.dnogr7ekwkwd) (Stand: 17.02.2020)